P R E S S E S C H A U MEDICAL TRIBUNE 11.12.1999 (34. Jahrgang Nr. 49) Seite 20-21 Ministerium äußert Bedenken gegen das totale Netz Schlammschlacht um Medi-VerbundSTUTTGART - Er habe noch keinen Berufsstand gesehen, bei dem die Menschen so schnell beleidigt seien, wie dies bei den Ärzten sei, offenbarte der Schweizer Praxisnetz-Berater Leo Buchs kürzlich auf einem Netztreffen in Düsseldorf. An diesen Empfindlichkeiten seien schon etliche Netze in der Schweiz gescheitert. Daß es sich hier um keine helvetische Spezialität handelt, zeigt die Entstehungsgeschichte des nordwürttembergischen Medi-Verbundsystems. Die Medi-Initiatoren, der erste und der zweite Vorsitzende der KV Nordwürttemberg, Dr. Werner Baumgärtner und Dr. Norbert Metke, sprechen angesichts der Kritik an ihrem Konzept in einem Brief an alle Vertragsärzte in der KV Nordwürttemberg von "Störversuchen", "grotesken Aktivitäten", ja von "Gegnerschaft" derjenigen, "die sich ausschließlich für Partikularinteressen einzelner weniger Ärzte oder für die Interessen ihrer Verbände oder Berufsverbände einsetzen". Gemeint sind hier vor allem der Landes-BDA und der NAV-Virchowbund. Dabei scheuen die Medi-Häuptlinge auch vor Unterstellungen und falschen Behauptungen nicht zurück, ganz zu schweigen von der persönlichen Abqualifizierung ihrer vermeintlichen "Gegner" als einer "Handvoll Ewiggestriger", zu denen sie auch die "neidische Presse" zählen. Ein aktuelles Beispiel ist ihr gemeinsamer Brief vom 14. Oktober 1999 an alle Vertragsärzte in Nordwürttemberg, in dem sie auf drei engbeschriebenen Seiten alle Kritik zurückweisen. In ihren persönlichen Attacken haben sie sich besonders heftig auf den stellvertretenden NAV-Landesvorsitzenden und nordwürttembergischen NAV-Bezirksvorsitzenden Dr. Bernd Bornscheuer, Allgemeinarzt aus Waiblingen, eingeschossen. Sie unterstellen ihm wahrheitswidrig, er habe das Sozialministerium Baden-Württemberg in einem Schreiben aufgefordert, das Medi-Projekt zu unterbinden. Den Antwortbrief, in dem das Ministerium Handlungsbedarf verneine, habe dieser "aus gutem Grund" nicht veröffentlicht. Er könne dagegen im Internet bei der Vertragsärztlichen Vereinigung abgerufen werden*. Aus juristischer Sicht problematisch Die hat er auch erhalten. Und da die Vertragsärztliche Vereinigung den Brief aus dem Hause des baden-württembergischen Sozialministers Dr. Friedhelm Replik (CDU) nun entgegen ihrer Ankündigung doch nicht publiziert hat, holen wir das Versäumte wenigstens mit einigen zentralen Zitaten nach. Da schreibt der Minister seinem Parteifreund Dr. Baumgärtner ins Stammbuch: "Es ist nicht ganz unproblematisch, daß die Mitwirkung in einem Verbundmodell zwingend von der Mitgliedschaft in einem Berufsverband (nämlich der Vertragsärztlichen Vereinigung, d. Red.) abhängig gemacht wird, weil dabei fachlich-medizinische und berufspolitische Zielsetzungen miteinander verquickt werden. Das Sozialministerium möchte es zunächst der innerärztlichen Diskussion überlassen, ob diese Verbindung gewünscht bzw. als sachlich richtig angesehen wird." Der Tenor des vorsichtig formulierten Schreibens aus dem Ministerium geht dahin, daß es das Projekt im Augenblick nicht abschließend beurteilen könne. Allerdings gebe es aus juristischer Sicht bedenkliche Aspekte: Einmal sei das Gleichbehandlungsgebot der KV für Ärzte innerhalb und außerhalb des Netzes gefährdet, zum anderen entstehe durch die Personalunion (Dr. Baumgärtners, d. Red.) von VV-Vorsitz und KV-Vorsitz möglicherweise eine Interessenkollision wegen gegensätzlicher wirtschaftlicher Interessen von Netzärzten und den übrigen Vertragsärzten. Der attackierte Allgemeinarzt Dr. Bornscheuer fordert jetzt von den Dres. Baumgärtner und Metke einen Widerruf ihrer falschen Behauptung sowie eine Gegendarstellung an alle Vertragsärzte der KV Nordwürttemberg. KS
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