P R E S S E S C H A U
Stuttgarter Nachrichten 08.12.1999 Der Medi-Praxisverbund bekommt KonkurrenzVerbund freier Praxen Nordwürttemberg gegründet - Bestehende kleine Ärztenetze sollen erhalten werden Für die Kassenärztliche Vereinigung war es am Dienstag eine Extrameldung wert. Mit 2550 Gesellschaftern haben sich inzwischen mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte in Nordwürttemberg im Medi-Praxisverbundsystem organisiert. Doch parallel dazu formiert sich die Konkurrenz. VON KLAUS EICHMÜLLER Die Alternative heißt Verbund freier Praxen Nordwürttemberg. Seit der Gründung vor drei Wochen will dieser Dachverband zunächst rechtliche Formen schaffen, in denen bereits bestehende kleinere regionale Netze weiter existieren können. ¸¸Denn wenn jetzt ein von oben diktiertes System kommt, werden solche Systeme zerschlagen'', sagt Dr. Bernd Bornscheuer, stellvertretender Vorsitzendes des Verbundes freier Praxen und Allgemeinarzt in Waiblingen. Dabei macht er keinen Hehl daraus, wo er die Gefahr sieht. ¸¸Ich denke da konkret an Medi.'' Anders als dort praktiziert, will er den Verbund von der Basis her aufbauen. ¸¸Unser Ziel ist es, dass alle, die sich bei Medi nicht wohl fühlen, bei uns mitmachen'', sagt Bornscheuer. ¸¸Wir registrieren ein großes Interesse.'' Einige Ärzte haben inzwischen ihr Unbehagen an Medi sogar im Internet (www.medi-report.de) verbreitet. Ein Allgemeinmediziner aus Bad Mergentheim äußert nach ¸¸sorgfältigem Lesen der Medi-Verträge erhebliche Bedenken und Zweifel''. So sei eine echte Mitsprache und Mitwirkung der beteiligten Ärzte der Wirtschafts-GmbH Medi nicht gewährleistet. Ein anderer Mediziner sieht einen ¸¸Interessenkonflikt mit Brisanz'' in der Tatsache, dass der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg (KV), Dr. Werner Baumgärtner, nicht nur in Personalunion auch die Vertragsärztliche Vereinigung führt, sondern auch treibende Kraft bei Medi ist. ¸¸Die Kontrolle der Medi-GmbH durch die Vertragsärztliche Vereinigung kann kaum effizient sein. Der Kontrolleur und der Kontrollierte ist sozusagen ein und dieselbe Person, der eine darf keinen Gewinn machen, der andere muss Gewinn erzielen.'' Und dann gibt es noch persönliche Vorbehalte. ¸¸Ich habe selbst erlebt, wie in Diskussionen kritisch hinterfragende Kollegen von Dr. Baumgärtner abgebügelt werden'', klagt ein Arzt. Auch Bornscheuer selbst hat einschlägige Erfahrungen. Im vergangenen April hatte er sich in seiner Eigenschaft als stellvertretender Landesvorsitzender des Virchow-Bundes der niedergelassenen Ärzte an die Aufsichtsbehörde Sozialministerium gewandt. Unter anderem wollte er geklärt haben, ob es rechtlich unbedenklich sei, dass die Körperschaft KV für ein flächendeckendes Modell eine GmbH mit einem einzelnen Berufsverband bildet. Mitte Oktober reagierte Baumgärtner mit einem Brief an alle KV-Mitglieder, in dem er behauptet, Bornscheuer habe in einem Schreiben an das Sozialministerium dazu aufgefordert, das Medi-Projekt zu unterbinden. Daraufhin fordert Bornscheuer Anfang November von Baumgärtner eine öffentliche Gegendarstellung, denn er habe ¸¸in verleumderischer Art und Weise versucht, den Inhalt des besagten Anschreibens in sein Gegenteil zu verkehren und auf diese Weise den Schreiber Bornscheuer persönlich vor den vertragsärztlichen Kollegen zu diffamieren''. Noch ist der Streitfall nicht ausgeräumt. Angekündigt ist aber offenbar ein moderater Widerruf im nächsten Rundschreiben der KV. |