Rote Karte für Baumgärtners Medi-Verbund

P R E S S E S C H A U

ZVW-Online 07.10.1999

MEDI schränkt ärztliches Handeln ein

Freie Ärzte machen Front gegen den geplanten Medizinerverbund: Patientendaten nicht sicher

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Winterling
Waiblingen.

Die Idee von MEDI ist gut, sagen selbst die härtesten Kritiker. Arztpraxen zu vernetzen und Doppeluntersuchungen zu vermeiden, "macht Sinn", sagt der Waiblinger Arzt Dr. Bernd Bornscheuer. Damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Der "Zweckverband freier Ärzte" macht gegen MEDI Front.

Die schlecht geschützten Daten ihrer Patienten im MEDI-Praxisverbundsystem war nicht das einzige Argument, das der "Zweckverband freier Ärzte Rems-Murr- Kreis" und die "Vertragsärztliche Initiative Main-Tauber-Kreis" gestern bei einer Pressekonferenz vorbrachten. Sie stehen für rund 150 MEDI-kritischen Ärzte. Sorgen machten sich diese Ärzte um ihre eigene Zukunft: Das Vertragswerk, dem sie sich zu unterwerfen haben, sei "handwerklich nicht sauber", sagte Bernd Bornscheuer. Einerseits fehle dem Medi-Gebilde aus einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts und einer GmbH jegliche demokratische Kontrolle; andererseits seien sämtliche Mitglieder unbeschränkt haftbar. Der MEDI Rems-Murr, der laut Kassenärztlichen Vereinigung mittlerweile 190 der rund 400 niedergelassenen Ärzte im Landkreis angehören, könne für diese Mitglieder Verträge abschließen, ohne dass der einzelne Arzt gefragt werde.

Wirklich zu tragen komme MEDI aber erst im Jahr 2000, wenn die Gesundheitsreform 2000 der rot-grünen Bundesregierung wie geplant in Kraft tritt. "Im Moment ist MEDI nur ein Verwaltungsaufwand für nichts." Die Gesundheitsreform sehe die Möglichkeit vor, dass Krankenkassen mit Praxisverbünden wie MEDI Honorarvereinbarungen abschließen. Der Allgemeinarzt Ulrich Kröhl aus Waiblingen fürchtet, dass MEDI einen Vertrag mit einem Sozialdienst oder mit nur wenigen Dienstleistern wie Masseuren oder Physiotherapeuten abschließen und "der Rest von heute auf morgen brotfrei ist". Für die Patienten fällt über kurz oder lang die Wahlfreiheit weg.

 

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Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung durch Martin Winterling, Redaktion ZVW-Online.