P R E S S E S C H A U
Stuttgarter Zeitung 02.09.1999 - Kommentar Streit ums Ärztenetz GegenwindIn Stuttgart entsteht etwas völlig Neues. Die niedergelassenen Ärzte wollen sich nicht länger von Politik und Krankenkassen bevormunden lassen und sammeln sich nun unter einem Dach: Medi-S. So wollen sie für die Verteilungskämpfe auf dem härter werdenden Gesundheitsmarkt gerüstet sein. Es erstaunt deshalb zunächst, dass jetzt manche Ärzte mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg, die das Medi-S-Konzept entwickelt hat, hart ins Gericht gehen (siehe Bericht auf Seite 21). Nach einzelnen Kritikern hat nun erstmals eine ganze Genossenschaft Bedenken angemeldet. Die Geno-Gyn kritisiert dabei gar nicht Medi-S an sich, sondern neben dem rüden Ton der Debatte vor allem die mangelnden Möglichkeiten der Ärzte, am Konzept mitzuwirken. Zudem fürchtet sich die Geno-Gyn vor der Allmacht des Funktionärs Werner Baumgärtner. Deutlich ist also: Mancher Arzt will nicht vom Regen in die Traufe kommen - sprich, von der Bevormundung der Krankenkassen in die Bevormundung von Medi-S. In den Hintergrund ist dabei getreten, dass gegen Medi-S noch ganz andere Bedenken ins Feld geführt werden können. Die Chefs der Krankenhäuser in Stuttgart sind bereits auf die Barrikaden gegangen, weil sie fürchten, künftig werde Medi-S über ihre Köpfe hinweg entscheiden, wer in welche Klinik eingewiesen wird. Die Patienten haben wieder einmal überhaupt keine Lobby. Denn wer garantiert, dass die Mitglieder von Medi-S nicht tatsächlich ein Kartell bilden, wodurch die freie Arztwahl eingeschränkt wäre? Und wer kontrolliert, ob die geltenden Datenschutzbestimmungen immer und überall eingehalten werden? Dies ist kein interner Streit. Vielmehr positionieren sich die Ärzte im Medizinsystem - hoffentlich nicht gegen den Patienten. Von Thomas Faltin © 1999 Stuttgarter Zeitung online. Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung durch Thomas Barth, Redaktionsleitung Online, Stuttgarter Zeitung online.
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