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P R E S S E S C H A U

Stuttgarter Zeitung 06.08.1999

Ärztenetz: Stuttgarter Kliniken wollen an einem Strang ziehen

Städtische und freie Krankenhäuser einigen sich auf gemeinsames Vorgehen - Verband soll Rahmenvertrag mit ¸¸Medis'' erarbeiten

Die Stuttgarter Krankenhäuser wollen sich nicht auseinander dividieren lassen: Das geplante Ärztenetz ¸¸Medis'' soll deshalb nicht mit einzelnen Kliniken Verträge abschließen können. Darauf haben sich jetzt die 21 Stuttgarter Kliniken in einer Sitzung geeinigt.

Von Thomas Faltin

Das Ärztenetz ¸¸Medis'', dem bislang gut die Hälfte aller Stuttgarter Mediziner angehören, soll im September seine Arbeit aufnehmen. Die knapp 500 Ärzte wollen eine bessere Kommunikation untereinander erzielen, aber auch eine bessere Koordination mit Kliniken, Reha-Anstalten und sozialen Diensten.

Zu diesem Zweck hatte die Vertragsärztliche Vereinigung Nordwürttemberg als Organisatorin des Netzes auch Verhandlungen mit vier Stuttgarter Krankenhäusern - darunter dem Marienhospital und dem Robert-Bosch-Krankenhaus - aufgenommen. Bei anderen Kliniken waren daraufhin Befürchtungen laut geworden, dass die niedergelassenen Ärzte ihre Patienten zukünftig verstärkt in jene Häuser einweisen könnten, die dem Netz angehörten. Vor allem kleinere Häuser fühlten sich in ihrer Existenz bedroht.

Aus diesem Grund haben sich die 21 städtischen, freigemeinnützigen und privaten Stuttgarter Kliniken jetzt auf eine gemeinsame Linie verständigt. Vor wenigen Tagen ist auf einer Versammlung des Verbandes Stuttgarter Krankenanstalten beschlossen worden: Der Verband soll als Verhandlungsführer für alle Kliniken auftreten und mit ¸¸Medis'' einen Rahmenvertrag vereinbaren, den dann möglichst alle Stuttgarter Häuser übernehmen. Bis dahin, so der Beschluss, möge kein Krankenhaus einen eigenen Vertrag mit dem Ärztenetz abschließen. Diese letzte Regelung ist vor allem auf das Marienhospital gemünzt, das bereits intensive Verhandlungen mit ¸¸Medis'' geführt hat - eine Vertragsunterzeichnung war mehrere Male angekündigt worden.

Sollte die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung jedoch in seiner derzeitigen Form umgesetzt werden, könnte das Ärztenetz eigene Budgetverhandlungen mit den angeschlossenen Kliniken führen - und das lehnen die Krankenhäuser vehement ab: ¸¸Es darf nicht sein, dass die Krankenhäuser am Tropf der Ärzte hängen'', betonte der Verwaltungsdirektor eines Stuttgarter Krankenhauses. Ein zweiter Streitpunkt zwischen ¸¸Medis'' und den Kliniken ist die Frage, inwieweit die Krankenhäuser ihre ambulanten Angebote ausbauen dürfen. Wie aus Klinikkreisen zu vernehmen war, sträuben sich die Häuser heftig dagegen, dass ambulante Leistungen automatisch den niedergelassenen Ärzten vorbehalten bleiben sollen.

Dieter Blessing, der Stuttgarter Krankenhausbürgermeister und zugleich der Vorsitzende des Verbandes der Krankenanstalten, betont: Ein Arbeitsausschuss werde, voraussichtlich bis zum Jahresende, den Rahmenvertrag erstellen. Bedingungen für einen Vertragsabschluss seien aber, dass erstens alle Krankenhäuser dem Netz beitreten könnten und dass zweitens die Kliniken eine gleichberechtigte Stellung neben den Ärzten erhalten müssten. Norbert Metke von der Vertragsärztlichen Vereinigung zu diesen Forderungen: ¸¸Es war nie an eine Ausgrenzung einzelner Häuser gedacht.'' Er sehe deshalb bei den Verhandlungen keine größeren Probleme.

 

© 1999 Stuttgarter Zeitung online.
Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung durch Thomas Barth, Redaktionsleitung Online, Stuttgarter Zeitung online.

 
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