P R E S S E S C H A U Stuttgarter Zeitung 12.06.1999 Ärztenetz erntet bei der Stadt nicht nur ApplausBürgermeister Blessing strebt Einbindung aller Kliniken anZum ersten Mal hat sich gestern die Stadt Stuttgart mit dem geplanten Ärztenetz ¸¸Medis'' beschäftigt. Der Tenor dabei war eindeutig: Verwaltung und Gemeinderäte befürworten den Verbund im Grundsatz. Einige Punkte stießen aber auf heftige Kritik. Von Thomas Faltin Norbert Metke, der Zweite Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg (KV), verteidigte gestern im Krankenhausausschuß den Ärzteverbund ¸¸Medis'', an dem nach Angaben der KV bislang rund 300 Mediziner teilnehmen; das ist ein gutes Drittel der Stuttgarter niedergelassenen Ärzte. Ziel sei eine verstärkte Kooperation zwischen den Arztpraxen, aber auch zwischen den Praxen und Krankenhäusern. Dadurch könnten Kosten eingespart werden, indem beispielsweise mehrere Kollegen ein teures Gerät gemeinsam nutzten. Dadurch könne aber auch die Versorgung der Patienten verbessert werden: Zum Beispiel sei es derzeit ein ¸¸gigantischer Zeitaufwand'', bis ein Arzt ein freies Bett in einem Krankenhaus finde. Krankenhausbürgermeister Dieter Blessing (SPD) und auch die Gemeinderatsfraktionen halten ein solches Verbundsystem für sinnvoll. Dennoch zeigten sich manche Stadträte verstimmt, weil die KV die Stadt bislang nicht in die Verhandlungen einbezogen hat. Statt mit den städtischen Krankenhäusern hat die KV bislang nur mit vier Häusern freier Träger gesprochen. Blessing, der auch Vorsitzender des Verbands der Stuttgarter Krankenhausanstalten ist, hält aber ein gemeinsames Vorgehen für unabdingbar, um die Interessen der Kliniken zu wahren. Er will deshalb in der nächsten Sitzung des Verbands auf eine gemeinsame Strategie dringen. Die Realität sieht jedoch anders aus: So steht der Vertrag mit dem Marienhospital kurz vor dem Abschluß. Metke betonte aber, daß das Netz allen Krankenhäusern offenstehe. Ilse Unold (CDU), die selbst Medizinerin ist, beunruhigt bei dem derzeitigen Konzept vor allem, daß die freie Arztwahl des Patienten gefährdet sei: Es bestehe die Gefahr, daß die Ärzte nur noch an Kollegen und an Krankenhäuser überweisen, die dem Verbund angeschlossen seien. Dieser Ansicht war auch Hella Probst von der SPD. Ursula Marx (Grüne) kritisierte, daß sich die KV mit dem Ärzteverbund in krankenhausinterne Angelegenheiten einmische: Die Organisation der Rehabilitation sei beispielsweise nicht Sache der KV. Ihrer Ansicht nach verfolgt die Ärztevertretung mit dem Netz primär das Ziel, ein ¸¸Machtmonopol'' aufzustellen. Der Chef des zukünftigen Klinikums Stuttgart, Reinhard Schwarz, betonte ebenfalls, daß ¸¸Medis'' zumindest in Teilen die Einmischung der KV in die Krankenhausplanung zur Folge haben werde. Schwarz ist der Ansicht, daß das Netz vor allem dazu dienen soll, Geld aus dem stationären Bereich abzuziehen, indem Einweisungen ins Krankenhaus vermieden oder verstärkt ambulante Operationen angeboten würden: Es gehe bei ¸¸Medis'' also vorwiegend um die Absicherung der materiellen ärztlichen Interessen. Metke wies die Vorwürfe zurück. Es gebe für die teilnehmenden Doktoren keine Verpflichtung, nur an Medis-Ärzte zu überweisen. Außerdem versuche man nur, ¸¸unnötige'' Einweisungen ins Hospital zu vermeiden, um so dringend benötigte Betten für schwere Fälle frei zu halten. Und Metke glaubt weiter an den Erfolg des Netzes: Kollegen, die nicht teilnähmen, würden bald in ihrer wirtschaftlichen Stabilität gefährdet sein. Es sei aber verständlich, daß manche Ärzte skeptisch seien: ¸¸Medis'' bringe eine stärkere Bevormundung mit sich - jeder Arzt müsse sich gewissen Vorgaben unterwerfen.
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