P R E S S E S C H A U Stuttgarter Nachrichten 12.06.1999 Warnung vor Zweiklassen-Medizin durch ÄrzteverbundStadträte haben Vorbehalte gegenüber dem Projekt Medi-S - Städtische Kliniken sollen auch in das NetzViele Stadträte sehen durch das Ärzteverbundsystem Medi-S die freie Arztwahl bedroht. Zudem wurden am Freitag im Krankenhausausschuß Befürchtungen laut, die Vernetzung der Arztpraxen könne zu einer Spaltung der Gesundheitslandschaft führen. VON BERND HEIDEN Wenn am 15. September in Stuttgart der Startschuß für Medi-S fällt, werden daran rund die Hälfte der etwa 800 niedergelassenen Kassenärzte in Stuttgart beteiligt sein. Initiator des Verbundes ist die Kassenärztliche Vereinigung Nordwürttemberg (KV). Medi-S soll dem Patienten etwa Doppeluntersuchungen ersparen, indem die Kommunikation innerhalb der Ärzteschaft verbessert wird. Weiter werden die Verbundpraxen ihre Öffnungszeiten aufeinander abstimmen. Für die Ärzte bedeutet der Zusammenschluß eine Stärkung ihrer Position in künftigen Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen, vor allem wenn in Zukunft die KV abgeschafft werden sollte - was derzeit diskutiert wird. Die Medi-S werde die Verhandlungen über die Budgets führen, sagte Dr.Norbert Metke, stellvertretender KV-Vorsitzender, im Ausschuß: ¸¸Unabhängige Ärzte müssen sich mit dem Rest des Kuchens begnügen.'' Die wirtschaftliche Stabilität der unabhängigen Ärzte sei gefährdet. Vier Krankenhäuser - Marienhospital, Diakonissen- und Robert-Bosch-Krankenhaus sowie Filderklinik - sind bisher im Verbund dabei. Vor allem die Verzahnung von ambulanter und stationärer Medizin werde dabei anvisiert, so Metke. Die wichtigsten Ziele: Kooperation bei der Beschaffung von teuren Maschinen. Niedergelassene Ärzte sollen verstärkt Räume und Geräte anmieten können. Die Kliniken tauschen sich aus über ihre Qualifikationen. Eine Koordinationsstelle für Reha-Betten wird eingerichtet. Leistungen sollen abgesprochen, ambulante und stationäre Behandlungen aufeinander abgestimmt werden. Für Diabetiker wird im Marienhospital ein gemeinsames Versorgungsangebot geschaffen. Die Kliniken verpflichten sich, ihr ambulantes Angebot zunächst einzufrieren. Irritationen bestehen unter den Stadträten, weil der Verbund bisher an den städtischen Kliniken vorbeigelaufen ist. Ursel Bucher (FDP) warnt, der Verbund dürfe kein elitärer Kreis bleiben: ¸¸Da müssen möglichst alle Ärzte rein.'' Nur so könne eine optimale Versorgung auch unter Kostendruck garantiert werden. ¸¸Wo bleibt denn da die freie Arztwahl des Patienten'', fragte Ilse Unhold (CDU) im Hinblick auf die Zentralversorgung von Diabetikern. Ursula Marx von den Grünen wies darauf hin, daß die städtischen Kliniken bereits viele ihrer Abläufe koordiniert hätten. Insgesamt bewerteten die Stadträte trotz ihrer Bedenken die integrierte Versorgung als Zukunftsmodell. Bürgermeister Blessing (SPD) kündigte an, der Verband der Stuttgarter Krankenhäuser werde mit Medi-S in Verhandlungen treten. Dann könnten die städtischen Kliniken dem Verbund beitreten. Die Absichten von Medi-S bedeuteten einen ¸¸Einstieg in die Krankenhausplanung'', sagte Reinhard Schwarz, Direktor des Katharinenhospitals. Mit dem Verbund solle eine Budgetverschiebung vom stationären in den ambulanten Bereich eingeleitet werden.
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