P R E S S E S C H A U Stuttgarter Zeitung 25.03.1999 Ärzte tauschen Daten ausVerbundnetz ‚‚Medis’’ gestartet - Datenschutz gewährleistet?Etwa 420 Stuttgarter Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) haben sich zu einem Verbundnetz zusammengeschlossen, um die Patienten effektiver und besser versorgen zu können. Doch ‚‚Medis’’ ist schon vor dem Startschuß in die Kritik geraten. Von Thomas Faltin Am Dienstag haben die Ärzte und die KV Nordwürttemberg eine eigene Gesellschaft gegründet. Die Kooperation sieht vor, daß die Ärzte über Computer ihre Patientendaten austauschen können. Aber auch Krankenhäuser, Pflegestellen und Krankengymnasten sollen in das Verbundnetz einbezogen werden. Der Vorteil für die Ärzte ist eine Stärkung ihrer Position auf dem Gesundheitsmarkt. So ist ein Ziel des Datennetzes, Einweisungen in Krankenhäuser nur noch dann vorzunehmen, wenn es sich nicht mehr vermeiden läßt. Außerdem sollen nach Möglichkeit die Kosten reduziert werden: Zum Beispiel könnten durch den Datenabgleich kostspielige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Insgesamt erwartet sich KV-Chef Werner Baumgärtner eine effektivere und wirtschaftlicherere Patientenversorgung. Für die Patienten hat das Verbundnetz nach Ansicht der KV mehrere Vorteile. Erstens werde die Behandlung besser, da der Arzt frühere Untersuchungsergebnisse und Laborwerte abrufen kann und nicht selbst erheben muß. Zweitens werde es rund um die Uhr zwei Anlaufpraxen in Stuttgart geben - so könne man verhindern, daß die hochwertigen Geräte in den Kliniken für Bagatellfälle genutzt werden müßten. Drittens soll eine Koordinationsstelle dem Patienten helfen, wenn er Hilfe bei der häuslichen Pflege oder einen Physiotherapeuten sucht. ‚‚Medis’’-Kritiker haber aber Zweifel angemeldet, ob mit diesem Verbundnetz nicht der gläserne Patient geschaffen werde. Norbert Metke, in dessen Händen das ‚‚Medis’’-Konzept liegt, betont jedoch, daß der Datenschutz gewährleistet sei. Denn zum einen finde der Datentransfer nur dann statt, wenn der Patient zustimme: Er erhalte beim Arzt ein Informationsblatt und werde dann um seine Unterschrift gebeten. Zum anderen sei die KV in ständigem Kontakt mit dem Innenministerium: ‚‚Wir werden alle Datenschutzauflagen des Landes vorbehaltlos erfüllen’’, verspricht Norbert Metke. Außerdem überlege man sich, ob hochsensible Daten, wie zum Beispiel eine HIV-Erkrankung, grundsätzlich nicht weitergegeben werden sollen. Ein zweiter Kritikpunkt ist, daß mit diesem Verbund ein ‚‚Ärztekartell’’ entstehe, das alle teilnehmenden Kliniken - bislang sind dies das Marienhospital, das Diakonissenkrankenhaus und das Robert-Bosch-Krankenhaus - bevorzuge. Metke wies auch diesen Vorwurf zurück: Kein Patient könne gezwungen werden, in eine bestimmte Klinik eingewiesen zu werden. Und jedes Krankenhaus sei eingeladen, bei ‚‚Medis’’ einzusteigen. Kommentar ‚‚Im Datennetz’’ Seite 21
© 1999 Stuttgarter Zeitung online. | |