P R E S S E S C H A U Stuttgarter Zeitung 16.02.1999 Praxisvernetzung der Ärzte ‚‚Datenschutz ist garantiert’’380 Stuttgarter Ärzte planen einen Praxisverbund mit EDV-Vernetzung, um Überweisungen und Befunde austauschen zu können. Werner Baumgärtner, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, weist im Gespräch mit Thomas Faltin die Kritik von Datenschützern zurück. Für dieses Datennetz ‚‚Medi-S’’ erhebt sich zunächst die Frage nach dem Datenschutz. Haben denn alle angeschlossenen Ärzte Zugriff auf die Unterlagen, auch wenn sie den Patienten nicht behandeln? Wir können uns selbstverständlich nicht über die gültigen Datenschutzbestimmungen hinwegsetzen, so daß der Aufbau des Netzes in jeder Phase streng nach datenschutzrechtlichen Bestimmungen abgesichert wird. Im ersten Schritt geht es zunächst darum, daß die Praxen über das sogenannte ‚‚Intranet’’ miteinander kommunizieren können. Dabei werden die Daten noch nicht zentral gespeichert, und nur die beteiligten Ärzten haben Zugriff. Erst in einem zweiten Schritt muß es dann eine zentrale Speicherung von Daten, zum Beispiel von Verordnungsdaten, geben. Alle Patientendaten werden jedoch verschlüsselt. Und ohne Zustimmung der Patienten und der Datenschützer wird dieser zweite Schritt überhaupt nicht umgesetzt. Sie können also die Einhaltung des Datenschutzes garantieren? Ja, das garantieren wir. Ein weiterer Kritikpunkt ist, daß die Ärzte mit ‚‚Medi-S’’ Politik gegen die Kliniken machen würden. Mit dem Datennetz könnten Betten abgebaut werden; die freigesetzten Klinikärzte werde man übernehmen. Es ist Unsinn, uns vorzuwerfen, wir würden Politik gegen Krankenhausärzte machen. Vielmehr ist es der Wille der politischen Gremien, in Deutschland Krankenhausbetten abzubauen. Die Frage ist dann, wer erbringt die Leistungen, die in der Klinik wegfallen, und was geschieht mit den arbeitslosen Ärzten? Wir kämpfen dafür, daß die hochspezialisierte Versorgung erhalten bleibt, indem die freigesetzten Ärzte manche Leistung ambulant anbieten - das meinen wir mit ‚‚übernehmen’’. Uns geht es um den Aufbau solcher ambulanten Strukturen. Und dabei kann das Datennetz helfen? Ja, denn über das Netz ist es einfacher, den Bedarf zu bestimmen und mit den Kollegen zu kommunizieren. Wir müssen, um diese Strukturen zu bekommen, alle an einem Strang ziehen. Bislang fällt die Kommunikation noch schwer. Als Krankenhauspartner in ‚‚Medi-S’’ ist bislang nur das Marienhospital vorgesehen. Wollen Sie die anderen Stuttgarter Krankenhäuser ausschließen? Das wollen wir natürlich nicht, aber wir müssen ja mit einem Krankenhaus anfangen. Es ist logisch, daß wir auf alle Stuttgarter Kliniken zugehen und mit ihnen verhandeln werden. Schon rein rechtlich wäre es gar nicht möglich, ein Krankenhaus aus der Versorgung herauszunehmen.
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