P R E S S E S C H A U Stuttgarter Zeitung 12.02.1999 - Kommentar Praxisvernetzung Front der ÄrzteDer niedergelassene Kassenarzt ist ein Einzelkämpfer, doch das soll anders werden. In Stuttgart wird die Gründung eines mächtigen Ärztekartells vorbereitet - eine Art dezentrale Praxisgemeinschaft, genannt ‚‚Medis’’. Die Idee verspricht Vorteile, doch das Konzept ist nicht ausgereift (Bericht auf dieser Seite). Auf der einen Seite ist es zu begrüßen, daß sich Ärzte austauschen, und die modernen Internet-Verbindungen erleichtern dies. Der Praxisverbund Stuttgart hat neben der rascheren Übermittlung von Patientendaten das Ziel, Qualitätszirkel zu bilden und Standards für Leistungen zu begründen. Wer, wenn nicht die Ärzteschaft, sollte über Qualität und Standards medizinischer Behandlung diskutieren? Viel zu oft, sagen Insider, seien Ärzte auf sich selbst gestellt, es fehle ihnen der kollegiale Austausch. Mit dem Praxisverbund, hoffen die Initiatoren, werde das besser. Auch das teure Doktor-Hopping, bei dem sich manche Versicherte zigfache Diagnosen von Ärzten stellen lassen, könnte bei besseren Absprachen eingedämmt werden. Nicht von der Hand zu weisen sind aber die von Krankenhäusern und Verbraucherschützern geäußerten Bedenken gegen das Ärztekartell. In zynischem Tonfall haben die Kassenärzte im Satzungsentwurf für den geplanten Verbund schon ihre neue Macht gefeiert und einen Bettenabbau in den Krankenhäusern angekündigt. Die arbeitslosen Krankenhauskollegen werde man bei ‚‚Medis’’ übernehmen, heißt es - unverfrorener geht’s nicht mehr. Allzu lax gehen die ‚‚Medis’’-Gründer bisher auch mit dem heiklen Thema Datenschutz um. Wie Patientendaten in einem Netz von fast 400 beteiligten Praxen ‚‚geheim’’ gehalten werden sollen, bleibt noch rätselhaft. Bis zum Frühsommer, wenn ‚‚Medis’’ starten soll, müssen auf jeden Fall noch viele Unklarheiten ausgeräumt werden. Von Christoph Link
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