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N A C H R I C H T E N

20.07.2000

Zentrum der Intelligenz im Hirn eingekreist - Fund stark umstritten

Washington - Ein Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat nach eigenen Angaben Hirnstrukturen für "generelle Intelligenz" lokalisiert. Die Wissenschaftler suchten mit einem speziellen Abbildungsverfahren nach Regionen im Gehirn, die bei bestimmten Denkaufgaben aktiviert waren. Dabei stießen sie auf ein Zentrum im Stirnlappen des Großhirns, das immer dann besonders stark durchblutet war, wenn Denkaufgaben vergleichsweise hohe Intelligenz erforderten.

Das Team um John Duncan in Cambridge (Großbritannien), dem auch der Neurologe Rüdiger Seitz von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf angehört, veröffentlicht sein Ergebnis am Freitag im US- Fachjournal "Science" (Bd. 289, S. 457). "Es ist nun möglich, zu einem besseren Verständnis der Funktion des Stirnhirns zu kommen", erläuterte Seitz auf Anfrage der dpa. Die genaue Funktion könne nur beim Menschen untersucht werden, weil sich dieser Teil des Gehirns entwicklungsgeschichtlich nur dort derart groß entwickelt habe.

Doch ein Begleitartikel des Psychologen Robert Sternberg von der Yale Universität in New Haven (US-Staat Connecticut) stellt das Ergebnis in der gleichen Ausgabe des Journals in Frage. Laut Sternberg stimmen Wissenschaftler bisher noch nicht einmal überein, was "Intelligenz" ist. Darüber hinaus müsse die Aktivierung einer Hirnregion nicht heißen, dass Intelligenz aus ihr stamme. Vielmehr könne sie an der Produktion intelligenter Entscheidungen nur beteiligt sein.

Duncan, Seitz und Kollegen hatten sich bei ihrer Suche nach dem "Herd" hoher Intelligenz auf eine fast 100 Jahre alte These des damaligen US-Psychologen Charles Spearman gestützt. Spearman schloss aus der Beobachtung, dass manche Menschen bei verschiedenen intellektuellen Herausforderungen durchgehend gute Ergebnisse zeigen, es müsse "generelle Intelligenz" geben, einen Faktor, den er "g" nennt. Alternativ schlägt eine Theorie aus dem Jahr 1916 vor, dass die unterschiedliche intellektuelle Herausforderungen verschiedene Zentren im Hirn aktivieren.

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