N A C H R I C H T E N 18.07.2000 TV-Moderatoren zu erpressen versucht: Bewährungsstrafe gefordertMünchen - Wegen versuchter Nötigung der Fernsehmoderatoren Arabella Kiesbauer und Hans Meiser stand heute (Dienstag) der Chef eines Büros für psychologische Beratung vor dem Münchner Amtsgericht. Der ehemalige Flughafenarbeiter wollte laut Anklage die Talk-Master von ProSieben und RTL mit Morddrohungen zwingen, ihre "sozial unverträglichen" Sendungen aufzugeben. Damit solle ein "Signal" auch gegen andere "Randale-Moderatoren" gesetzt werden. Der Angeklagte soll auch Firmen wegen Werbespots in den beiden Sendern bedroht haben.Nach seinen Morddrohungen gegen die Fernsehmoderatoren Arabella Kiesbauer und Hans Meiser hat die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten für den 56-jährigen Angeklagten gefordert. Die Erpresserbriefe erfüllten den Tatbestand der versuchten Nötigung in fünf Fällen, hieß es im Plädoyer der Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Münchner Amtsgericht. Auch wenn es sich nur um leere Drohungen des geständigen Mannes gehandelt habe, müsse aus Gründen der allgemeinen Abschreckung eine Freiheitsstrafe verhängt werden. Der Verteidiger forderte ein geringeres Strafmaß, ohne dies aber näher zu konkretisieren. Zur Begründung verwies er auf die Erklärungen des psychologischen Sachverständigen, der dem Mann eine verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit attestiert hatte. Das Urteil sollte noch am Dienstagnachmittag gesprochen werden. Zum Prozessauftakt hatte sich der Angeklagte bei den beiden Talk-Mastern entschuldigt und erklärt, er habe nie daran gedacht, die Drohungen in die Tat umzusetzen. "Ich wollte niemanden erpressen, mein Gott", stammelte er unter Tränen. Der ehemalige Flughafenmitarbeiter war der fünffachen versuchten Nötigung angeklagt. Er hatte im vergangenen Jahr anonyme Briefe an Kiesbauer und Meiser geschickt. Darin forderte er sie auf, ihre Sendungen aufzugeben. Von der Werbewirtschaft verlangte er, keine Spots mehr in den Talkshows zu schalten. Der Mann gab an, er habe sich über die Sendungen geärgert und die Briefe emotional aufgewühlt verfasst. Eine erste Version, wonach ihm die Drohungen versehentlich auf Grund von Textbausteinen des Computers in die Schreiben gerutscht seien, nahm er nach einer kurzen Verhandlungspause wieder zurück. Der Angeklagte sagte, er schreibe seit fast 19 Jahren Protestbriefe an Fernsehanstalten. Der Fall hatte im vergangenen Jahr für großes Aufsehen gesorgt. Im März 1999 hatte der Angeklagte erstmals Drohbriefe an die ProSieben- Moderatorin Kiesbauer geschickt. Darin forderte er, die Sendung Kiesbauers "im Interesse unserer Kinder" innerhalb von sechs Wochen einzustellen. "Sollten Sie und ihr Sender darauf nicht reagieren, so werden wir Kiesbauer töten, um auch ein Signal für andere Randale- Moderatoren zu setzen", hieß es weiter in dem Schreiben. Auch RTL-Moderator Meiser hatte Drohbriefe bekommen. Von der Werbewirtschaft hatte der 56-jährige Erpresser verlangt, keine Spots mehr in den Talkshows zu schalten. "Ansonsten töten wir Meiser als ersten, Kiesbauer als zweite und dann alle übrigen Moderatoren", hieß in den Schreiben. Die Polizei kam dem Mann im Juli 1999 auf die Spur, nachdem er sich in einem weiteren Schreiben an Meisers Team als Autor der Drohbriefe "geoutet" hatte. Kiesbauer war vor fünf Jahren nur knapp einem Attentat österreichischer Rechtsextremisten entgangen. © MEDI-Report: www.medi-report.de |