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12.07.2000 Kampf gegen Aids: Therapiepause und Impfstoffe im TestDurban - Das Aidsvirus kann nach neuesten Erkenntnissen auch bei Pausen in der medikamentösen Therapie unter Kontrolle gehalten werden. Die bewährte Kombi-Therapie bleibe wahrscheinlich trotz einer Unterbrechung hoch wirksam, berichtete der bekannte US- Aidsforscher Anthony Fauci am Dienstag auf der Weltaidskonferenz im südafrikanischen Durban. Sollten sich erste Ergebnisse zweier Studien bestätigen, dann bedeute das für zahlreiche Patienten mehr Lebensqualität durch weniger Nebenwirkungen sowie eine immense Kostenersparnis.
Unterdessen kündigten Vertreter Brasiliens an, das Wissen zur Eigenproduktion der antiviralen Medikamente für Kooperationen zur Verfügung zu stellen. Das Land stellt seit Jahren sieben HIV-Mittel in eigener Lizenz her und gibt sie kostenlos an die Bevölkerung ab. Außerdem habe der erste Aids-Impfstoff speziell für Afrikaner grünes Licht für die klinische Testphase bekommen habe, berichtete die Internationale Aids-Impfstoff-Initiative (IAVI). Die Europäische Kommission will im September bei einem Runden Tisch über schnelle und wirksame Strategien gegen die Seuche beraten.
Der Hintergrund von Faucis Ansatz zu Therapiepausen: Seit drei Jahren ist bekannt, dass der Aidserreger in Reservoirs jahrelang ruhend überleben kann, ohne dass er im Blutplasma nachzuweisen ist. Wird die Kombi-Therapie unterbrochen, schnellt die Viruslast im Blut nach kurzer Zeit wieder in die Höhe. Allerdings lasse sie sich durch den Neustart der Therapie umgehend wieder auf ein sehr niedriges Niveau drücken.
Fauci forderte Testpersonen, kontrollierte Therapiepausen jeweils in Wochen- oder Monatslänge einzulegen. Nach den bislang vorliegenden Ergebnissen deute einiges darauf hin, dass sich die Pausen auf Dauer verlängern lassen: Der Zeitraum bis zum Wiederemporschnellen der Viruslast nach dem Absetzen der Medikamente werde größer. Allerdings sinke dabei die Zahl der für das Immunsystem wichtigen T- Killerzellen. Ganz verzichtbar werde die antivirale Therapie damit nie, sagte Fauci, auch weil das Virus sonst Resistenzen entwickele. Unter Umständen könnten Therapiepausen von sechs oder acht Monaten im Jahr möglich werden. Vor eigenmächtigen Versuchen riet der Wissenschaftler dringend ab.
Der am Dienstag vorgestellte Kombi-Impfstoff wird in zwei Stufen verabreicht und soll die Produktion von speziellen T-Killerzellen des Immunsystems ankurbeln. Das Mittel soll vor dem in Kenia und anderen afrikanischen Staaten besonders verbreiteten HIV-Subtypus A schützen, kann aber auch einen 80-prozentigen Schutz vor anderen Virusstämmen bieten. Insgesamt werden etwa 25 Impfstoffe weltweit erprobt.
Die Wissenschaftler um Prof. Andrew McMichael vom John Radcliff Hospital der Universität Oxford (Großbritannien) entwickelten den Impfstoff zusammen mit Kollegen von der Universität Nairobi in Kenia. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass dort einige Prostituierte dank erhöhter T-Killerzellen-Zahl eine natürliche Immunität gegen das HIV-Virus aufwiesen. Der Impfstoff imitiert quasi dies in zwei Stufen.
Die Europäische Kommission, die Weltgesundheitsorganisation WHO und das UN-Aidsprogramm Unaids wollen erstmals im September in Brüssel mit Experten aus aller Welt zusammentreffen. Bei dem Runden Tisch sollen Strategien entwickelt werden, um den drei sich am schnellsten verbreitenden Infektionskrankheiten der Welt - Aids, Malaria und Tuberkulose - zu begegnen, hieß es.
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