N A C H R I C H T E N 11.07.2000 Kindersex-Tourismus: Berlin und Prag wollen zusammenarbeitenBerlin - Die deutschen und die tschechischen Behörden wollen ihre Zusammenarbeit beim Kampf gegen Kinderprostitution und deutsche Sex-Täter in den grenznahen Gebieten der Tschechischen Republik verstärken. Das kündigte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesinnenminister, Cornelia Sonntag-Wolgast (SPD), am Dienstag in Berlin an. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein abscheuliches Verbrechen, das mit schwerwiegenden psychischen und physischen Folgen für die Betroffenen verbunden ist."Dabei gebe es Sex-Tourismus entgegen weitläufigen Annahmen keineswegs nur in der Ferne, wie etwa in Thailand, sondern unmittelbar vor der Haustür Deutschlands in angrenzenden Nachbarstaaten. Seit 1996 sei in den grenznahen tschechischen Gebieten die Kinderprostitution und der Missbrauch durch deutsche Täter erheblich angestiegen. Es würden aber nur wenige Fälle angezeigt, die Dunkelziffer sei hoch. Das Bundesinnenministerium hatte Ende Juni an acht Grenzübergängen eine Aktion mit Plakaten und Postkarten gestartet, auf denen Sextourismus mit Kindesmissbrauch angeprangert wurde. Dabei hatten Polizeibeamte aus Sachsen und Bayern sowie der Bundesgrenzschutz und andere Helfer den Dialog mit den Bürgern gesucht und sie auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Zugleich wurde appelliert, bei verdächtigen Beobachtungen Anzeigen zu erstatten. Sonntag-Wolgast zog eine positive Bilanz der Aktion. Viele Bürger hätten bis dahin nur wenig über den sexuellen Missbrauch von deutschen Tätern auf der anderen Seite der Grenze gewusst. Wenig bekannt sei auch, dass ein Täter, der solche Delikte im Ausland begeht, auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt wird. Nach ihren Angaben haben vor allem Familien (90 Prozent) und allein reisende Frauen (85 Prozent) Interesse an der Aktion gehabt. Von den allein reisenden Männern hätten nur 70 Prozent Interesse gezeigt. Im Anschluss an diese Aktionstage sollen nun der Bundesgrenzschutz und die beiden Länderpolizeien insbesondere in den nächsten zwei Monaten das "Hinweis- und Anzeigeverhalten" der Bürger beobachten. Danach ist eine Umfrage in der Region geplant, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. © dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de | ||