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11.07.2000

Kindesentführung: Diplom-Psychologen sollen Partnerstreit entschärfen

Tübingen - Bei internationalen Kindesentführungen in Streitfällen der Eltern sollten nach Expertenansicht häufiger Gutachter zu Rate gezogen werden. In weniger als jedem zehnten Verfahren werden Diplom-Psychologen befragt, die oft einen Kompromiss zwischen früheren Partnern verschiedener Nationalität herbeiführen könnten. Diese Ansicht äußerte Prof. Gunther Klosinski, Ärztlicher Direktor der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Montagabend bei einem öffentlichen Gespräch unter Juristen und Psychologen.

Bei Scheidungen von Ehepartnern unterschiedlicher Nationalität kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen um das Sorgerecht der Kinder. In Extremfällen kann ein Elternteil sogar das oder die Kinder n die Heimat entführen. Bei juristischen Auseinandersetzungen ergibt sich allerdings das Problem, dass in einzelnen Staaten verschiedene Urteile zum selben Fall getroffen werden. Nach Darstellung des Tübinger Juristen Prof. Burkhard Heß wird das Sorgerecht häufig dem Ehepartner zugesprochen, bei dem sich das Kind eingelebt hat - selbst wenn es vorher entführt wurde und somit das "Faustrecht" des entführenden Elternteils prämiert wird.

Im Haager Übereinkommen von 1980 haben sich einige Staaten - darunter die Länder der Europäischen Union (EU), die USA und Kanada - darauf geeinigt, entführte Kinder sofort an ihren vorherigen Aufenthaltsort zu bringen. Damit soll verhindert werden, dass der Elternteil, der das Kind entführt hat, bei der gerichtlichen Entscheidung bevorzugt wird. Das Übereinkommen sieht aber Ausnahmen vor, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Dann seien psychologische Gutachter notwendig, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Praxis der deutschen Gerichte ist in den 90er Jahren in die Kritik geraten, weil sie nicht immer den Haager Bestimmungen entsprach. So wird laut Heß die sechswöchige Frist zur Erledigung eines Antrags meistens nicht eingehalten. In Deutschland betrug sie stattdessen zwischen 1993 und 1996 durchschnittlich bis zu 35 Wochen.

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