N A C H R I C H T E N 10.07.2000 Welt-Alzheimer-Kongress 2000 sucht Ursachen des schweren Leidens - Hoffnung auf ImpfungWashington - Mehr als 5.000 Experten aus aller Welt versuchen bei einem zehntägigen Informationsaustausch in Washington, die Ursachen der Alzheimer-Krankheit zu ergründen. Der Welt-Alzheimer-Kongress 2000 wurde am Sonntag in Anwesenheit von Gästen wie Maureen Reagan, einer Tochter des früheren US-Präsidenten, eröffnet. Ronald Reagan leidet wie zwölf Millionen andere Menschen weltweit unter dieser am häufigsten vorkommenden Form geistiger Demenz.In Deutschland dürfte sich die Zahl der Alzheimer-Kranken durch die Verschiebung der Alterspyramide in den kommenden zehn Jahren von derzeit 900.000 auf 1,7 Millionen fast verdoppeln, schätzen die Mediziner. Typisch für die Alzheimer-Krankheit sind erhebliche Gedächtnisstörungen. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis, es kommt zu Sprach- und Orientierungsstörungen. Im schweren Fällen können die Patienten nicht mehr kommunizieren und brauchen selbst bei einfachsten Handlungen, wie beim Ankleiden oder Waschen, Hilfe. Trotz jahrelanger intensiver Forschungen sind Demenzerkrankungen noch immer unheilbar. Alzheimer-Forscher sind optimistisch, sich bald ein besseres Bild von dem rätselhaften Leiden machen zu können. Eine Reihe neuer Untersuchungen wirft Licht auf die molekularen Veränderungen im Hirn der Patienten. Die Hauptmerkmale sind dichte Klumpen aus Protein, so genannte Plaque, und lockenförmige Fibrillen in den Nervenzellen des Hirns. Doch noch ist nicht klar, ob die Plaque und/oder die Locken die Krankheit auslösen oder nur die sichtbaren Hinweise auf einen anderen, bisher noch unbekannten Prozess sind. Das tückische Leiden ereilt jeden zehnten über 65 Jahren und jeden zweiten im Alter von 85 Jahren und darüber. Die Betroffenen haben nach der Diagnose der Krankheit im Durchschnitt noch acht Jahre Lebenserwartung. 70 Prozent von ihnen verbringen diese Zeit in der Obhut ihrer Familie. Obwohl das Leiden bereits 1906 von dem deutschen Arzt Alois Alzheimer identifiziert worden war, gibt es bis heute kein Mittel, das den geistigen und körperlichen Verfall der Kranken aufhält oder revidiert. Hoffnung darauf, die Alzheimer-Krankheit in Zukunft früher diagnostizieren zu können, verheißen jüngste US-Studien mit der so genannten funktionalen Kernspintomographie. Die derzeit übliche Diagnose durch Eliminierung anderer Leiden trifft in etwa 90 Prozent aller Fälle zu und kann nur durch Autopsie nach dem Tod bestätigt werden. Seit der deutsche Arzt Alois Alzheimer die Krankheit nach Autopsien seiner Patienten definierte, sind ihre zwei Hauptmerkmale bekannt: dichte Klumpen von Eiweißstoffen, so genannte Plaque, und lockenförmige Fibrillen in den Nervenzellen des Hirns. Doch auch knapp 100 Jahre nach der Identifizierung von Alzheimer ist Forschern noch nicht klar, ob die Plaque und/oder die Locken die Krankheit auslösen oder nur die sichtbaren Hinweise auf einen anderen, bisher noch unbekannten Prozess sind. Wenigstens vier Gene sind an der Entstehung des Leidens beteiligt. Forscher testen derzeit mehrere Gentherapien und rund 60 Substanzen, darunter auch ein Vakzin, die der Krankheit einmal Einhalt gebieten könnten. Die bisher verfügbaren Medikamente bremsen lediglich ihren Verlauf und sind teils schwer verträglich. Im Endstadium der Krankheit sind 50 Milliarden Gehirnzellen ausgefallen, normalerweise sterben im Laufe des Alterungsprozesses zwei Milliarden Zellen ab. Medikamente, die die Hirntätigkeit unterstützen, können den Krankheitsverlauf verzögern. Hoffnung verheißen vor allem ein erster experimenteller Impfstoff gegen die Krankheit und mehrere Substanzen, die bei Tieren Erfolg hatten. Einige Studien lassen schließen, dass alternative Wirkstoffe wie Vitamin E, Ginkgo Biloba und das Hormon Östrogen einen gewissen positiven Effekt in der Behandlung von Patienten haben. Huperzin A, ein Moos-Extrakt, das aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannt ist, wirkt nach ersten Erkenntnissen von US-Forschern genau so wie die drei am häufigsten verschriebenen Alzheimer-Medikamente. Das alternative Mittel kann gefährlich werden, wenn es zusätzlich mit den Pharmamitteln eingenommen wird, weil es die Dosis der Wirkstoffe verdoppelt, warnt die amerikanische Alzheimer-Gesellschaft. © dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de | ||