N A C H R I C H T E N 08.07.2000 115 Ärzte weniger in knapp zweieinhalb Monaten: Laufen dem Medi-Verbund die Mitglieder bereits in Scharen davon?Stuttgart - Nach dem ersten Austritt aus dem Medi-Verbund am 13.09.1999 (sieheBei diesem bemerkenswerten Abgang von mehr als einem klugen Arzt-Kopf pro Tag empfiehlt sich für die kommenden heißen Wochen als Unterhaltung ein Medi-Quiz - zum Beispiel unter dem Titel "O Werner, ist dein weltweit Medi fein,wer wird der letzte kleine Neger sein?" Diese Entwicklung kann nicht überraschen. Baumgärtners "Verkaufsmodell" Medi-Verbund entpuppte sich immer mehr als grandiose Mausefalle für ängstliche Ärzte, die die Medi-Verträge ohne anwaltlichen Rat unterschrieben haben. Berufsverbände raten in seltener Deutlichkeit und Einmütigkeit vom Eintritt ab: Der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) nennt das Beitrittspapier eine "Entrechtungserklärung" und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ordnet den Medi-Praxisverbund gar als "standes- und vertragsarztwidrig" ein. Erst unlängst stellte auch der Justiziar der Kassenärztlichen Vereinigung Südwürttemberg und Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Südwürttemberg, Prof. Dr. jur. Hans Kamps, fest: Das "Medi-Netz ist rechtswidrig". Verkauft werden sollen offenbar nur die Ärzte. "Die Medi-Initiatoren hatten zu Beginn ihrer Kampagne mit gut formulierten Absichtserklärungen noch die Hoffnung auf konsensfähige Verträge geschürt - kritische Beiträge ursprünglich wohlmeinender Kollegen wurden dann aber rasch als mißgünstige Stimmungsmache desavouiert. Wer sich allerdings der Mühe unterzieht, das verschachtelte Gefüge des geplanten Machtapparates unter die Lupe zu nehmen, wird registrieren, mit welcher Sorgfalt alle Instrumente zur Kontrolle der Geschäftsführung ausgehebelt wurden - das gilt selbst für den 'erweiterten Vorstand'", schrieb am 03.07.2000 Dr. med. Bernd Bornscheuer, Allgemeinarzt in Waiblingen. In einem umfassenden Bericht über das Medi-Kartell am 05.06.2000 sah die Ärzte-Zeitung (S.1 und 18f.) die Ärzte in den Medi-Verbund eintreten, "weil sie die Verträge vermutlich nicht genau studiert haben. Das sollte nachgeholt und bei Verständnisfragen ruhig einmal ein Vertragsanwalt konsultiert werden. Das Geld lohnt", empfahl die Ärzte-Zeitung. Und vermutlich hat der eine oder andere sich seine Verträge inzwischen von einem unabhängigen Anwalt erklären lassen. Der Bezirksvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. Bornscheuer, stellte vor wenigen Tagen im übrigen fest: "Die Zahl der Medi-Mitglieder darf schließlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß der gesamte Apparat bislang nicht mehr ist als eine Art Bauentwurf mit vorgemerkten Mietern. (Noch steht nicht einmal der Rohbau: die Medi GmbH ist bis heute nicht eingetragen.) Ob das geplante Kollegialgebäude jemals als Heimstatt mittelständischer Praxen nutzbar ist, darf füglich bezweifelt werden." Die letzten werden wohl erst aufwachen, wenn Ihnen die Rechnungen präsentiert werden. Zum Beispiel die Rechnung für die mutwillige und rechtsmissbräuchliche Klage gegen den MEDI-Report (siehe Wie kann man mit Torheit anders umgehen als spielerisch? Es verdient ja tatsächlich allen Respekt, dass die Medi-Häuptlinge Baumgärtner und Metke ihren Teil zur ärztlichen und psychotherapeutischen Unterhaltung in steter Zuverlässigkeit beitragen. Da werden sich Ärzte und Psychotherapeuten im Herbst zur Vertreterwahl der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg (KÄV NW) nur fragen dürfen, ob sie ernstzunehmende Vertreter für die Wahrnehmung ihrer berufsständischen Interessen oder exzellente und über die Landesgrenzen hinaus beklatschte Unterhalter haben wollen. Zum Ärzteorchester vielleicht auch noch die Ärzteclowns? Die Redaktion jedenfalls bedankt sich artig bei den Dres. med. Werner Baumgärtner und Norbert Metke, den herausragenden Vorsitzenden der KÄV NW mit dem unvergleichlichen Sinn für einen "hohen Unterhaltungswert" (Metke in den Stuttgarter Nachrichten vom 23./24.06.1999) und geht in ein poetisches Wochenende:
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