N A C H R I C H T E N 07.07.2000 Täglich stecken sich 16.000 Menschen mit Aids-Virus an - Weltsicherheitsrat berät über AidsBerlin/New York - Jeden Tag stecken sich weltweit 16.000 Menschen mit dem Aids-Virus an. Insgesamt 34 Millionen Menschen sind nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) infiziert, davon allein 24 Millionen in Afrika. Rund 13,2 Millionen Aids-Waisen gebe es seit Beginn der Seuche. Darauf wiesen Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne), Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Freitag in Berlin zwei Tage vor Beginn der 13. Weltaidskonferenz im südafrikanischen Durban hin. Die Konferenz steht unter dem Motto "Break the Silence" (Das Schweigen brechen).Der Weltsicherheitsrat kündigte unterdessen am Donnerstag (Ortszeit) an, die Verbreitung von Aids durch Angehörige von Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Krisengebieten eindämmen zu wollen. Nachdem immer mehr Blauhelm-Soldaten bei bislang nur sporadischen Tests als Träger des tödlichen Aidsvirus HIV erkannt worden sind, hat das höchste UN-Gremium damit zum ersten Mal in seiner Geschichte Beratungen über eine Resolution zu einem nicht direkt mit kriegerischen Handlungen verbundenen Problem aufgenommen. Künftig sollen Staaten, die Truppen für UN-Friedensmissionen zur Verfügung stellen, neben anderen Maßnahmen ihre Soldaten auf den Aids-Erreger HIV testen. Mit der Annahme der Resolution wird in der kommenden Woche gerechnet. Bereits jetzt verteilen die Vereinten Nationen an Blauhelm-Soldaten in allen Krisenregionen Kondome. So sieht das Budget für die Friedensmission in dem westafrikanischen Land Sierra Leone die Bereitstellung von einer Million Kondome pro Jahr vor. In den Entwicklungsländern werde Aids zu einer "nationalen Katastrophe" und bedrohe deren soziale und wirtschaftliche Zukunft, warnte auch Wieczorek-Zeul in Berlin. Sie appellierte eindringlich an die Regierungen der besonders stark betroffenen Länder. Diese dürften das Problem nicht länger totschweigen und müssten den Kampf gegen Aids "zur Chefsache" machen. "Verschweigen heißt Tod." Auch müssten genügend Kondome kostengünstig bereitgestellt werden. Verglichen mit Afrika sehe die Lage in Deutschland noch günstig aus, sagte Fischer. Derzeit lebten in Deutschland etwa 37.000 infizierte Menschen, von denen 5.000 an Aids erkrankt seien. Etwa 17.000 Menschen seien seit Beginn der Epidemie Anfang der 80er Jahre an Aids gestorben. Die Ansteckung erfolge weiter meist über homosexuelle Kontakte, aber auch die Zahl der durch heterosexuelle Kontakte übertragenen Infektionen nehme langsam zu. © dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |