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N A C H R I C H T E N

06.07.2000

Psychiater Prof. Iver Hand fordert "Führerschein" für Börsenanleger - Kollegen empfehlen ihm selbst "Führerschein für kollegiales Verhalten"

München - Auch das Spekulieren mit Aktien kann zur Sucht werden. Vor der "Suchtfalle Börse" warnen deshalb Psychologen und Psychiater. Viele Privatanleger sind auf Börsengeschäfte schlecht vorbereitet oder werden davon sogar überfordert. Einen "Führerschein" für Börsenanleger fordert nun Professor Iver Hand, Leiter der Verhaltenstherapie am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg. "Zumindest die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung" sollten Investoren beherrschen, tönte der Psychiater Hand. "Und wer nicht emotionslos verlieren will oder sich Verluste finanziell nicht leisten kann, hat an der Börse sowieso nichts zu suchen", wird Hand in dem in München erscheinenden Magazin "Börse Online" zitiert.

Die Bevölkerung sei auf die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Börse nicht vorbereitet, so Hand weiter. "Sie ist traditionell nicht börsenorientiert. Bis vor fünf oder acht Jahren sicherte sie ihre Zukunft ab durch Arbeitsplatz, Krankenversicherung und Rente", wird Hand von "Börse Online" zitiert. Der Psychiater Hand habe mit "Börsen-Zockern" die Erfahrung gemacht, dass sich ihre Spekulationen zu einer gefährlichen Zwangskrankheit auswachsen können, schreibt die "Ärzte-Zeitung". "Es gibt ganz klare Parallelen zur herkömmlichen Spielsucht", wird Hand zitiert. Bei der hektischen Suche nach dem schnellen Reichtum bekämen "selbst hochintelligente Leute ihre Gefühle nicht in den Griff".

Im Gegensatz zu "Spielhöllen" verlangt die deutsche Rechtsprechung von den Banken bereits eine ausführliche Aufklärung ihrer Kunden vor dem ersten Börsengeschäft. Dergleichen ist in "Spielhöllen" nicht erforderlich. Insgesamt sind rund 120.000 Deutsche spielsüchtig.

Psychotherapeutisch tätige Kollegen empfehlen Hand, der sich mit diesem abwegigen Vorschlag eines "Börsenführerscheins" in die Medien bringt, selbst erst einmal einen "Führerschein für kollegiales Verhalten" zu erwerben. Hintergrund hierfür ist, dass Hand, der auch als Gutachter für Psychotherapie tätig ist, durch seinen arroganten Stil und den Versuch kollegialer Diskriminierung aufgefallen ist. Teilweise wird der Psychiater und Psychotherapeut Hand in Begleitschreiben bei der Beantragung von Psychotherapie durch Kollegen ausdrücklich als Gutachter ausgeschlossen.

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