N A C H R I C H T E N 20.06.2000 Forscherskandal um Friedhelm Herrmann wird neu untersucht: Nun auch Freiburger Klinikdirektor unter ManipulationsverdachtFreiburg/München/Bonn (dpa) - Der mehr als zwei Jahre alte Skandal um den Krebsforscher Friedhelm Herrmann weitet sich weiter aus. Im Verdacht steht nun der international renommierte ärztliche Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie der Universitätklinik Freiburg, Roland Mertelsmann, an dessen Institut Herrmann tätig war. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Zusatzprotokoll eines Gutachtens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).In diesem Gutachten, das am Montag in Bonn vorgelegt wurde, hat die "Task Force"-Kommission der DFG und Mildred-Scheel-Stiftung in mehr als zweijähriger Arbeit insgesamt 347 Veröffentlichungen von Herrmann und der Kieler Forscherin Marion Brach in den Jahren zwischen 1985 und 1996 untersucht. Lediglich 132 konnten von einem Anfangsverdacht befreit werden. Bei insgesamt 94 Artikeln hätten sich konkrete Hinweise auf Datenmanipulationen ergeben. Die Gutachter der DFG untersuchten auch fünf ausgewählte Arbeiten von Mertelsmann, da dessen Name auffallend häufig bei den von Herrmann veröffentlichten Arbeiten auftauchte. In einer fanden sie Unstimmigkeiten bei der Zahl von Patienten, die mit einer Hochdosis-Chemotherapie behandelt wurden. Mertelsmann und die inzwischen an der Tübinger Universitäts-Klinik arbeitenden Ärzte, Lothar Kanz und Wolfram Brugger, geben die Zahl von 15 behandelten Patienten und 13 Patienten einer Kontrollgruppe an. Die Überprüfung der Originaldaten habe allerdings ergeben, dass zu den entscheidenden Daten nur Messwerte von deutlich weniger Patienten beigetragen haben, schreiben die Gutachter. "Die Gesamtumstände legen mit hoher Wahrscheinlichkeit nahe, dass ein bestimmter Zielwert durch Manipulation von Daten erreicht werden sollte", urteilen die Gutachter. Ein Grund für die unsaubere Arbeitsweise könnte ein möglicher Interessenkonflikt zwischen der Forschungseinrichtung und der beteiligten Firma "CellPro" sein, die für die Freiburger Studie spezielles Labormaterial lieferte. Die Autoren der Arbeit weisen nach dem Zeitungsbericht einen Fälschungsverdacht weit von sich, sie räumen aber inzwischen "mangelnde Exaktheit" und teilweise "unkorrekte Arbeit" ein. Diese hätten aber zu "keinerlei Gefährdung der Patienten" geführt. Nach Meinung der DFG-Gutachter sollte die Publikation jedoch zurückgezogen werden. Die Universität Freiburg hat als Reaktion auf den Bericht der DFG-Gutachter eine neue Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe eingesetzt. Die Universität teilte am Montag mit, dass der Direktor des international renommierten Freiburger Max-Planck-Instituts für Ausländisches und Internationales Strafrecht, Albin Eser, die Kommission erneut leiten wird. Die erste Freiburger "Eser-Kommission" hatte Ende August 1997 festgestellt, dass insgesamt 28 fälschungsverdächtige Arbeiten Herrmanns an der Universität Freiburg entstanden sind. Bei 25 war der Name Mertelsmann aufgeführt. Eine aktive Beteiligung von ihm und anderen an der Uni beschäftigten Mitarbeiter konnte jedoch in keinem Fall nachgewiesen werden. Allerdings habe sich durch die allgemein übliche Praxis der Mitautorenschaft eine Mitverantwortung ergeben, berichtete damals die Universität. © dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |