N A C H R I C H T E N

14.06.2000

"Adlerauge" durch Operation ermöglicht bis zu doppelte Sehschärfe: Revolution im klinischen Prozess?

Nürnberg (dpa) - Mit einer neuen Operationsmethode können sich Menschen künftig möglicherweise ein "Adlerauge" mit bis zu doppelter Sehschärfe verpassen lassen. Bei ersten Operationen in den USA und Kanada hätten die Patienten teilweise 60 Prozent mehr Sehschärfe erreicht als natürlicherweise möglich, sagte der Präsident des 13. Kongresses der Deutschen Ophthalmo-Chirurgen (15.-18.06.2000), Armin Scharrer, in einem dpa-Gespräch. "Wenn sich die Methode im klinischen Prozess durchsetzt, wird es eine Revolution." Während des Kongresses in Nürnberg wird erstmals eine solche Operation in Deutschland durchgeführt und live zu den Kongressteilnehmern übertragen. Zu der Tagung werden mehr als 3.000 Experten aus 40 Ländern erwartet.

Normalsichtige Menschen, die aus beruflichen Gründen besonders scharf sehen müssen wie Piloten, Chirurgen oder Goldschmiede, könnten sich für rund 4.000 Mark das "Superauge" modellieren lassen. "Die Methode steckt aber noch in den Babyschuhen", betont Scharrer.

Bisher seien weltweit etwa 90 Menschen mit der neuen Methode behandelt worden. Sie baut auf der so genannten Lasik-Methode auf, die bereits seit Jahren erfolgreich zur Korrektur von Fehlsichtigkeit angewendet wird. Dabei wird das Auge mit einer Kamera individuell vermessen. Ein computergesteuerter Laser beseitigt dann an der Hornhaut die von der Norm abweichenden Krümmungen, "schleift" somit die Hornhaut nach - in 95 Prozent der Fälle können stark Kurz- oder Weitsichtige nach dem Eingriff ohne Brille oder Kontaktlinsen wieder 100 Prozent scharf sehen.

Auch bei völlig Normalsichtigen sind die Krümmungen von Linse und Hornhaut allerdings nicht perfekt. "Die Netzhaut könnte eine Schärfe von 250 bis 300 Prozent abbilden", erläutert Scharrer, der in Deutschland mit anderen Augenchirurgen und Lasertechnikern zusammen an der neuen Methode arbeitet. "So entstand die Idee, der Natur auf die Sprünge zu helfen - und die Optik des Auges zu perfektionieren." Per Computer wird individuell der so genannte "Verzeichnungsfehler" errechnet - und die Hornhaut nachmodelliert.

Die Folgen für die künstlich scharfsichtig gemachten Menschen von morgen sind allerdings unklar. "Wir wissen nicht, wie sich jemand fühlt, der so scharf sieht", räumt Scharrer ein. Die bisher als glatt empfundene Haut von Menschen sehe möglicherweise plötzlich grobporig oder faltig aus. Im Fernsehen könnte statt des Bildes Schneegestöber zu sehen sein - weil das Auge dann besser auflöst und die einzelnen Bildpunkte sichtbar werden lässt. In jedem Fall müsse sehr genau geprüft werden, für wen die Methode in Frage komme. Scharrer: "Es ist eine Zukunftsfiktion."

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