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14.06.2000

Selbstvorsorge in der Schwangerschaft senkt Risiko für Frühgeburten: Kassen zahlten Milliarden für Frühgeborene, nicht jedoch preiswerte Vorsorge

München (dpa) - Nach Ansicht von Frauenärzten kann verstärkte Selbstvorsorge bei Schwangerschaften das Risiko von Frühgeburten erheblich mindern. Mit einem einfachen Säuretest (pH-Test) könnten schon sehr früh gefährliche Krankheiten erkannt werden, sagte der Berliner Geburtsmediziner Erich Saling am Mittwoch auf dem 53. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München.

Zu 70 Prozent seien Infektionen der Scheide für Frühgeburten verantwortlich, die mit dem Test früh erkannt werden könnten. Dazu müssten sich Schwangere bis zur 34. Woche zwei Mal wöchentlich selbst untersuchen. Bisher testeten Frauenärzte nur einmal im Monat.

Die so genannte bakterielle Vaginose zeige sich früh in einem erhöhtem Säuregrad der Scheide. Die Keime lösten frühzeitig Wehen aus und weichten den Muttermund auf. Hinzu kämen andere Symptome wie stark vermehrter Ausfluss und Brennen beim Wasser lassen. Die Infektion sei mit verschiedenen Antibiotika leicht zu behandeln.

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Armin Malter, kritisierte die Krankenkassen, da sie die Kosten für den Säuretest bisher nicht übernähmen. Die Behandlung Frühgeborener werde bezahlt und verursache Kosten in Milliardenhöhe. "Günstige Vorbeugung dagegen wird nicht bezahlt."

Der Frauenarzt Udo B. Hoyme vom Klinikum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Erfurt sagte, bei Frauen, die den Säuregrad der Scheide nicht messen, liege das Risiko von sehr frühen Geburten etwa elf mal so hoch wie bei Frauen, die sich regelmäßig getestet hätten. Dies habe eine Studie mit etwa 2.300 Frauen in Erfurt ergeben. Frühgeborene Kinder können erhebliche Behinderungen erleiden. Sie seien oft für ihr Leben gezeichnet. Oft erlitten sie schwer behandelbare Gehirnschäden.

Malter sagte, die Zahl der Frühgeburten sei trotz verbesserter Behandlungsmethoden zu hoch. Derzeit liege die Zahl der Frühgeborenen bei etwa sechs Prozent. Als Frühgeborene bezeichnet man Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Gerade die Rate der Kinder, die mehr als acht Wochen vor dem Geburtstermin geboren werden, sei immer noch bedenklich hoch.

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