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09.06.2000

Verhütung aus dem Oberarm - Ende des Pillen-Zeitalters?

München (Nikolaus Dominik) - Ein kleines Hormonstäbchen könnte das Ende des "Pillen-Zeitalters" einläuten. Das vier Zentimeter lange Implantat im Oberarm der Frau soll für drei Jahre ein Sexualleben ohne Schwangerschaft ermöglichen. Die Methode ist einfach. Bei einem nur zwei bis drei Minuten dauernden Eingriff wird das Stäbchen auf der Innenseite des Oberarmes unter die Haut gepflanzt. Dort kann es nicht verrutschen und bleibt leicht ertastbar. Nach drei Jahren kann es mit einem knapp zwei Millimeter großen Schnitt wieder mühelos entfernt werden. Die Markteinführung des Stäbchens "Implanon" ist für Mitte Juni geplant.

Die kleine Operation bei örtlicher Betäubung kostet rund 600 Mark. Das ist auf drei Jahre gerechnet etwa halb so teuer wie die Mini- Pille, die monatlich mit rund 30 Mark zu Buche schlägt. Allerdings kann das Stäbchen auch vorher entfernt werden, etwa falls die Frau ein Kind bekommen oder auf Grund von Nebenwirkungen ein anderes Mittel nutzen möchte. Frauenärzte sprechen von guten Erfahrungen mit dem Hormonstäbchen, das es in den europäischen Nachbarländern Belgien, England, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden bereits gibt.

Mit dieser Methode ist es vorbei mit der alltäglichen Erinnerung, die Pille einzunehmen. Bei einer internationalen Studie mit 3 000 Frauen kam es mit dem Hormonstäbchen bei 76.000 Monatszyklen zu keiner einzigen Schwangerschaft. Das sei deutlich sicherer als die Antibaby-Pille, meint der Münchner Gynäkologe Prof. Ernst Rainer Weissenbacher vom Universitätsklinikum Großhadern. Das Stäbchen gibt täglich 40 Mikrogramm Gestagene ab, die den Eisprung hemmen und die Gebärmutter für Spermien blockieren.

Im Unterschied zur Mikropille bestehe bei den Frauen kein erhöhtes Risiko für gefährliche Blutgerinsel (Thrombosen), sagt Weissenbacher. Junge Raucherinnen könnten mit dieser Art der Verhütung ein zusätzliches Gesundheitsrisiko von Pille und Rauchen vermeiden, da das Verhütungsstäbchen kein Östrogen enthält.

Häufigste Nebenwirkungen sind Akne und unregelmäßige Blutungen. Dazu müssen laut Weissenbacher aber noch Erfahrungen gesammelt werden. Bei rund jeder vierten Frau bleibe die Blutung ganz aus, was von den Frauen, die an der Studie beteiligt waren, als "angenehm" empfunden worden sei.

Die gesetzlichen Kassen kommen mit der Einführung des Hormonstäbchens ins finanzielle Schleudern. Die ärztlichen Kosten für die Implantation seien noch nicht geklärt, sagte ein AOK-Sprecher. Grund dafür, so die Argumentation der Kassen, seien die unzuverlässlichen Angaben des Herstellers Nourypharma in Oberschleißheim bei München. Das Unternehmen habe die Einführung des Hormonstäbchens erst für den Herbst angekündigt, jetzt treffe die vier Monate vorgezogene Freigabe die Kassen unvorbereitet. "Das ist eine unangenehme Situation".

Grundsätzlich könne das Stäbchen allen Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr auf Kassenleistung implantiert werden. Tatsächlich wird es jedoch wohl bis August dauern, bis eine ärztliche Vergütungsverordnung verabschiedet sein wird. Der Hersteller sieht dem gelassen entgegen. Ein Unternehmenssprecher sagte, die eigentliche Zielgruppe stellten die Frauen über 20 Jahren dar und die müssen mit oder ohne Kassenregelung sowieso alles, also etwa 600 Mark, bezahlen.

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