N A C H R I C H T E N 08.06.2000 Unterschätzung des Strahlenrisikos: Grenzwert laut Wissenschaftler "eine Missachtung des Rechtes auf Leben und körperliche Unversehrtheit"Bremen (dpa) - Eine drastische Fehleinschätzung des Strahlenrisikos hat die Gesellschaft für Strahlenschutz der Wirtschaft, der Politik und einer "industriefreundlichen Wissenschaft" vorgeworfen. Dies habe dazu beigetragen, dass es in Deutschland heute mehr als 30.000 anerkannte Fälle von Berufskrankheiten gebe, die durch Arbeiten im Bereich der Atomindustrie unter mangelhaften Schutzbestimmungen hervorgerufen worden seien, kritisierte der Präsident der Gesellschaft, Sebastian Pflugbeil (Berlin).Die Strahlenschutzverordnung des Bundes habe seit Jahrzehnten ein unterschätztes Risiko zur Grundlage, sagte er am Donnerstag in Bremen. Dort beginnt am Freitag der zweitägige internationale Kongress "Strahlenschutz nach der Jahrtausendwende". Pflugbeil forderte eine deutliche Senkung des Grenzwertes für Menschen, die in ihrem Beruf von Strahlen betroffen sind. In der Geschichte der Kernenergienutzung sei Arbeitnehmern und der Bevölkerung in Deutschland ein mindestens zehn Mal höheres Risiko zugemutet worden als bisher offiziell eingestanden wurde, heißt es im Entwurf einer "Bremer Erklärung". Die Erklärung soll zum Ende des Kongresses beschlossen werden. Danach hat der Bund in seinem Entwurf der Strahlenschutzverordnung 2000 zwar erstmals die Grenzwerte verändert. Allerdings sei die Senkung des seit 1960 geltenden Grenzwertes für die jährliche Strahlenbelastung von 50 auf 20 Millisievert "eine Missachtung des grundsätzlich garantierten Rechtes auf Leben und körperliche Unversehrtheit". Der Grenzwert müsste mindestens auf fünf Millisievert festgesetzt werden. Veranstalter des Bremer Kongresses sind neben der Gesellschaft für Strahlenschutz die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW). © dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |