N A C H R I C H T E N

07.06.2000

Deutsche Klinikärzte und Pfleger krank durch Überlastung und Angst - Ärztestreik in Italien legte Krankenhäuser lahm

Schöntal, Hohenlohekreis/Rom (MEDI-Report) - Viele Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern sind überlastet und haben Angst. Um ihre Gesundheit sorgen sich die katholischen Klinikseelsorger der Diözese Rottenburg- Stuttgart. Nach einer Tagung in Schöntal kritisierten sie am Mittwoch zunehmenden Kostendruck und seine Folgen für die Gesundheit. In einer Presseerklärung heißt es: "Hohe psychische und körperliche Belastung der Mitarbeiter in allen Bereichen erhöht nach unserer Beobachtung die krankheitsbedingten Ausfallzeiten."

Nach Darstellung der Seelsorger werden die Arbeitszeitregelungen zum gesundheitlichen Schutz der Ärzte in Kliniken "oft nicht einmal annähernd eingehalten". Stellenabbau führe zur weit verbreiteten Angst um den eigenen Arbeitsplatz und dazu, "dass immer weniger Mitarbeiter immer mehr Arbeit leisten müssen". Verschärft werde der Druck nach Ansicht der Seelsorger dadurch, dass anstehende Gehalts- und Lohnerhöhungen zum Teil durch Personalabbau in den Krankenhäusern finanziert werden müssten. Folgen der gravierenden Umstrukturierungen seien neben der Überlastung der Mediziner "in bisher nicht gekanntem Ausmaß" eine immer größere Fluktuation der Pflegekräfte und "die Zerstörung der idealistischen Einstellungen der Berufsanfänger".

Die Seelsorger räumten ein, dass Gesundheitskosten und Versichertenbeiträge im Rahmen bleiben müssten. Es könne aber nicht sein, dass Kliniken nur nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt und dadurch Patienten nur noch als "Kunden" wahrgenommen werden. Damit gerate außer Acht, dass Kranke "in erster Linie Menschen sind, die der Hilfe bedürfen". Es bestehe die Sorge, dass hohe Motivation, großes Engagement und Solidarität bei Pflegenden und Ärzten durch den Kostendruck auf Dauer auf der Strecke bleibe.

Zu der Arbeitsgemeinschaft in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gehören etwa 100 Seelsorger aus verschiedenen Krankenhäusern in Württemberg.

Ärztestreik in Italien legt Krankenhäuser lahm

Die italienischen Ärzte haben die kognitive Entwicklung vom Jammern zum Handeln vollzogen: Ein Ärztestreik in Italien hat am Montag fast die gesamten staatlichen und kommunalen Krankenhäuser des Landes lahm gelegt. Operationen mussten verschoben werden, Patienten wurden nicht behandelt.

Nach Angaben des staatlichen Fernsehen beteiligten sich etwa 70.000 Ärzte an dem eintägigen Ausstand. Allerdings wurden lebensnotwendige Operationen und Behandlungen durchgeführt; auch die Intensivstationen blieben besetzt. Die Mediziner protestierten gegen eine drohende Schlechterstellung im Zuge anstehender Tarifverhandlungen.

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