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05.06.2000

Immer mehr fette Kinder in den USA - mit Krankheiten als Erwachsene

Lebanon (Diane E. Foulds) - Samstagnachmittag im Nordosten der USA: Im Weathervane-Restaurant des Einkaufszentrum wimmelt es von Gästen. Die günstigen Preise und die bequeme Lage machen das Lokal in Lebanon (US-Staat New Hampshire) zu einem beliebten Anlaufpunkt für Familien. Aber die eigentliche Attraktion ist das Essen. Davon gibt es Mengen - riesige Portionen Fisch, Hamburger und Pommes frites. "Kleine" Limonaden sind in Wirklichkeit recht groß und "große" Getränke entsprechen beinahe Ein-Liter-Flaschen. Es gibt unzählige Brötchen und Gürkchen; mächtige Torten und Eisbecher warten auf die, die dann noch können. Viele können.

Mit dem Wirtschaftsboom gehen amerikanische Familien häufiger essen. Fettleibigkeitsraten schnellen in die Höhe und beginnen; bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen. "Was wir beobachten, sind Kinder mit Krankheiten, die sonst bei Erwachsenen auftreten, etwas, das zuvor nicht registriert wurde", sagt Jean Harvey-Berino, Professorin für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität von Vermont. "Wir beobachten Kinder mit Bluthochdruck, Kinder mit hohem Cholesterinspiegel und Kinder mit Typ 2-Diabetes, was bisher als Erwachsenenvariante der Zuckerkrankheit angesehen wurde."

Nach Angaben der Nationalen Institute für Gesundheit (NIH) haben etwa 97 Millionen oder mehr als die Hälfte der Amerikaner über 20 Jahren Übergewicht. Davon wiegen etwa vier Millionen mehr als 45 Kilo zu viel, was eine etwa zehnfach erhöhte Sterblichkeitsrate im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung derselben Alterklasse zur Folge hat. Eins von fünf Kindern ist fettleibig. Davon bedingte Krankheiten zeigen sich bereits bei Kindern im Grundschulalter.

"Diese Entwicklung ist so schnell aufgetreten, dass genetische Faktoren als Ursache nahezu ausgeschlossen werden können", sagt Harvey-Berino, die zwei Forschungsprojekte zu Gewichtsproblemen bei Vorschulkindern leitet. "Wir haben festgestellt, dass es wahrscheinlich eher auf eine verringerte körperliche Aktivität und auf den Verzehr größerer Mengen zurückzuführen ist. Es ist einfach das Phänomen der Riesenportionen, die zehn Mal größer sind, als sie sein müssten."

Die Leiterin des Amtes für öffentliche Gesundheit und Ernährung von Vermont, Allison Gardner, unterstreicht die zahlreichen kulturellen Faktoren, die zur Fettleibigkeit bei Kindern beitragen. "In den letzten 15 bis 20 Jahren haben sich in unserer Gesellschaft viele Dinge verändert. Mehr Frauen gehen arbeiten, so dass die Kinder sich nach der Schule selbst versorgen müssen. Kinder spielen nicht draußen, weil es nicht sicher ist oder sie unbeaufsichtigt sind. Sie sehen fern, sind weniger aktiv, essen mehr Fertiggerichte und essen häufiger auswärts", sagte sie. Derartige Probleme nehmen ihrer Ansicht nach weiter zu.

Gestresste amerikanische Eltern greifen häufig auch auf Süßigkeiten zurück, um das Verhalten ihrer Kinder zu steuern. In einer Friendly's Ice Cream Eisdiele beruhigte kürzlich ein junges Paar ein kreischendes, fünfjähriges Kleinkind mit riesigen, mit heißer Schokoladen-Karamell-Soße überzogenen Eisbechern. Vermont hat laut Gardner eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um dieses Problem zu untersuchen und Lösungen zu finden. Der Staat New York hat ein Projekt "Ernähre Dich gut und spiele viel" ins Leben gerufen, das auf Familien mit geringerem Einkommen abzielt, die tendenziell höhere Fettleibigkeitsraten aufweisen. Fünf U.S.-Staaten erhalten finanzielle Mittel der Nationalen Institute für Gesundheit, um die Ursache ausfindig zu machen für das, was Landwirtschaftsminister Dan Glickman "eine stille Epidemie" genannt hat.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat angekündigt, Programme für Schulmittagessen mit wenig Kalorien, ein Programm zur Ernährungsergänzung für Frauen mit geringem Einkommen und andere pädagogische Maßnahmen in die Wege zu leiten, aber bisher ist wenig unternommen worden. "Es werden mehr öffentliche Gelder für die Rauchervorsorge und Krankheiten wie Herzkrankheiten aufgewendet", beklagt Gardner. "Fettleibigkeit wird nicht als Krankheit angesehen."

Harvey-Berino sorgt sich darum, was mit fettleibigen Kindern passiert, wenn sie erwachsen werden. "Wir wissen wirklich nicht, was die Langzeitfolgen sein werden, obgleich wir sicherlich befürchten, dass wir uns in 20 Jahren einer Unmenge chronischer Krankheiten gegenüber sehen, die dem Gesundheitswesen dann Kosten in Milliardenhöhe verursachen."

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