N A C H R I C H T E N

01.06.2000

Aussicht auf Ersatzorgane aus Stammzellen - auch ohne Embryos

Washington (dpa) - Eine Studie in Schweden lässt hoffen, dass verschlissene Gelenke und Organe eines Tages auch ohne embryonale Zellen repariert oder ersetzt werden können. Forschern am Karolinska Institut in Stockholm ist es gelungen, die Stammzellen von erwachsenen Tieren umzuprogrammieren. Je nach Gewebe, in das sie verpflanzt wurden, übernahmen sie die Funktion von Zellen in Herz, Lunge, Leber, Niere oder Nerven.

Bisher hatten nur embryonale Stammzellen diesen Prozess bewältigt. Die Arbeit mit Embryogewebe aber ist in Deutschland aus ethischen Bedenken verboten. Auch in den USA dürfen keine staatlichen Mittel für Arbeiten mit dem Gewebe von Ungeborenen eingesetzt werden. Jetzt lässt das Ergebnis von Diana Clarke und Kollegen in Schweden erstmals einen Ausweg aus dem Dilemma erkennen. Die Daten sind in "Science" (Bd. 288, S. 1660) vom Freitag veröffentlicht.

Clarke und Kollegen isolierten Stammzellen aus dem Hirn von Mäusen, legten sie in eine Nährlösung und injizierten sie dann in die Embryos von Mäusen und Hühnern. Entsprechend der Zellschicht, die sie infiltrierten, stellten sich die erwachsenen Stammzellen auf die Zellen in ihrer unmittelbaren Umgebung ein und entwickelten sich mit ihnen zu Lungen-, Nerven- oder anderem Gewebe. Das Team entdeckte die Fremdzellen, die sie zur Identifizierung eigens gefärbt hatten, sogar in einem schlagenden Herzen wieder.

In weiteren Versuchen wollen die Schweden die "Signale" aufspüren, die die erwachsenen Stammzellen veranlassten, bestimmte Funktionen in einem fremden Organismus zu übernehmen. Mit Kenntnis dieser Signale könnte es in Jahren oder Jahrzehnten vielleicht gelingen, die Stammzellen aus der Haut oder dem Blut von Patienten nach Bedarf umzuprogrammieren. Denkbar wäre, sie in einen schwachen Herzmuskel, eine kranke Niere oder ein verschlissenes Knie zu injizieren und dort neues, gesundes Gewebe zu bilden.

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