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N A C H R I C H T E N

31.05.2000

Jeder fünfte Ferntourist wird krank: Zur Reisevorbereitung gehört die reisemedizinische Beratung

Berlin/München/Hamburg/Nürnberg (MEDI-Report) - Jeder fünfte deutsche Ferntourist wird während oder nach der Reise krank. Jeder dritte ist leichtsinnig bei der medizinischen Reisevorbereitung und nicht einmal jeder dritte Urlauber in Malariagebieten schützt sich vor dieser gefährlichen Infektion. Dies sind die neuesten Erkenntnisse von Reisemedizinern. Die Reiselust der Deutschen, so sagen sie, ist ungebrochen, die Touristen seien in der Regel sogar gut informiert, aber weniger gut beraten.

Fehlende Vorsorge Hauptursache für Urlaubserkrankungen

Ungenügende Gesundheitsvorsorge sind nach Angaben von Medizinern die Hauptursache für Erkrankungen im Urlaub. Insbesondere Malaria und Infektionen mit Hepatits A könnten mit vorbeugendem Schutz weitgehend verhindert werden, sagte Prof. Ulrich Bienzle vom Berliner Institut für Tropenmedizin am 07.03.2000 in der Hauptstadt im Vorfeld des 1. Forums Reisen und Gesundheit bei der Touristikmesse ITB. Etwa 85 Prozent der touristischen Malaria-Infektionen in Deutschland seien vermeidbar. Rund 20 Menschen sterben nach einer Reise pro Jahr in Deutschland an Malaria.

Impfungen gegen Hepatitis A gewähren nach Angaben von Prof. Erich Kröger vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf einen guten Schutz. Schon in Süditalien oder Spanien sei die Gefahr an Hepatitis A zu erkranken, acht Mal höher als in hiesigen Gefilden. Deshalb sollten zum Beispiel auch Besitzer von Ferienhäusern in diesen Regionen für einen ausreichenden Schutz sorgen. Wichtig sei, dass bei einer Erkrankung dem Arzt der Hinweis auf etwa einen Aufenthalt in den Tropen gegeben wird oder der Arzt danach fragt.

Neues Reisemedizinisches Zentrum berät telefonisch

Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg ist ein neues Reisemedizinisches Zentrum eröffnet worden. Es richtet sich an Touristen, Geschäftsreisende, Seeleute und Reiseveranstalter und soll mit seinem erweiterten Service zur zentralen Anlaufstelle für Informationen rund ums gesunde Reisen werden. Nach Angaben der Betreiber soll sich das Zentrum über Gebühren tragen. So seien zum Beispiel für eine telefonische Beratung unter der Rufnummer (040) 428 18-800 jeweils 30 Mark zu zahlen. Das Institut hofft allerdings auch auf Sponsorengelder von Reiseveranstaltern.

Nach Angaben des Instituts wurden dort im vergangen Jahr fast 5.700 Patienten in der klinischen Ambulanz und mehr als 1.400 in der tropenmedizinischen Klinik behandelt. Die Tropenmediziner verabreichten 1999 knapp 8.500 Impfungen. Bei der telefonischen reisemedizinischen Auskunft erhielten bisher an jedem Werktag bis zu 40 Menschen Rat.

In letzter Minute: Übers WAP-Handy Impftipps und Spritze am Flughafen

Ein neuer Internet-Dienst für so genannte WAP-Handys soll Urlauber auch kurzfristig mit Impftipps versorgen. So könne beispielsweise ein Last-Minute-Urlauber kurz vor dem Flug in die Dominikanische Republik noch mit Informationen zu notwendigen Impfungen versorgt werden, wie das Unternehmen WAPmed in Nürnberg mitteilt. Vielen Urlaubern sei nicht bekannt, dass manche Impfungen auch noch kurz vor Reiseantritt überprüft und ergänzt werden können. Unter www.wapmed.de seien zur Einholung weiterer Informationen zudem rund 380 Tropeninstitute und Gelbfieber-Impfstellen mit Telefonnummer gespeichert. Allerdings lassen sich längst nicht alle Impfungen auch kurzfristig vornehmen, sondern bedürfen zum Teil längerer Vorplanung.

Wer alle Möglichkeiten reisemedizinischer Vorbereitung ungenutzt hat gelassen, bekommt am Flughafen Hamburg mit der Impfung vor dem Abflug eine allerletzte Chance. Am Hamburger Flughafen werden Reisende ab sofort über notwendige Schutzimpfungen informiert und auf Wunsch auch gleich geimpft. Das teilt die Flughafen Hamburg GmbH mit. Jeweils freitags von 14.00 bis 18.00 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 09.00 und 13.00 Uhr wird der medizinische Service in der Station des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Terminal vier angeboten. Die Preise für die Impfungen entsprechen der Flughafen GmbH zufolge dem üblichen Niveau. Zudem erhalten die Patienten einen Beleg für die Abrechnung mit ihrer Krankenkasse. Diese trägt die Kosten jedoch nur für einige Impfungen, beispielsweise für die Auffrischung des Tetanusschutzes.

Jede zehnte Aids-Infektion von Fernreisen eingeschleppt

Zehn Prozent aller Aids-Infektionen in Europa wurden aus dem fernen Ausland eingeschleppt. Das berichtete Prof. Robert Steffen von der Universität Zürich am 10.05.2000 auf einer Mediziner-Tagung in München. Aids entwickele sich zu der häufigsten Todesursache in der Reisemedizin. Er warnte alle Touristen vor ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Auch Malaria bleibt weiterhin eine Gefahr. Die Hoffnungen auf eine wirksame Impfung haben sich vorerst zerschlagen, sagte der Tropenmediziner Hans Nothdurft von der Münchner Ludwig Maximilians Universität. Ein in Kolumbien entwickelter Malaria-Impfstoff habe sich trotz anfänglicher Erfolgsaussichten als wirkungslos erwiesen. Der Leiter der Tropenmedizin an der Universität, Prof. Thomas Löscher, erklärte: "Ich habe Zweifel, ob es einen Malaria-Impfstoff in absehbarer Zeit geben wird. Ich weiß nicht, ob das in 30 Jahren oder früher sein wird."

Knoblauchpillen, Vitamin B und Ultraschall gegen Malaria übertragende Mücken seien "Humbug", sagte Nothdurft weiter. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass diese Mittel keinerlei Schutz vor Stichen bieten. Dagegen würden natürliche Substanzen wie Zedernöl helfen, deren Wirkung hänge jedoch von der Konzentration der Mittel ab und sei in der Regel nur von kurzer Dauer. Ferntouristen in Malariagebiete sollten sich deshalb wirksam schützen. Dazu gehörten neben der Prophylaxe mit Medikamenten ein Moskitonetz, lange Hosen, langärmelige Hemden und Blusen sowie geschlossene Fenster in der Nacht.

Reisemediziner-Verzeichnis neu im Internet

Ein Verzeichnis reisemedizinisch geschulter Ärzte ist jetzt neu im Internet zu finden. Es soll dazu beitragen, dass Ferienreisen in ferne Länder nicht zu einem unkontrollierten Risiko für die Gesundheit werden. Erstellt wurde das Verzeichnis unter der Adresse www.frm-web.de von der neu gegründeten Initiative "Forum Reisen und Gesundheit". Auch Versicherungen und Reiseveranstalter seien im Besitz dieser Liste, die Touristen helfe, einen guten Reisemediziner in ihrer Umgebung zu finden, sagte Nikolaus Frühwein, Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Tropenmedizin. Vor Urlaubsbeginn können Fernreisende nachschauen, ob sich ein Experte in Wohnortnähe befindet, und dort fachärztlichen Rat einholen.

Der Initiative haben sich bislang bundesweit rund 1.000 Ärzte angeschlossen. Das "Forum" wird von der Bayerischen Gesellschaft für Tropenmedizin unterstützt und arbeitet mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin zusammen. Die Mitgliedschaft in dem Forum steht nur Ärzten offen, die sich regelmäßig tropenmedizinisch fortbilden.

© 2000 gms/dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de
 
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