N A C H R I C H T E N

31.05.2000

Pharmaskandal weitet sich aus - Kassen schließen ersten Vergleich

Lüneburg (dpa) - Die Lüneburger Affäre um den Millionenbetrug mit Rezepten für bereits gestorbene Patienten weitet sich aus. Bei Prüfungen stieß die Krankenkasse AOK Niedersachsen auf eine weitere Apotheke in Ostfriesland, die für über eine Million Mark Falschabrechnungen vorgenommen haben soll. Gleichzeitig wurde am Mittwoch vor dem Lüneburger Landgericht der erste Vergleich von zehn Krankenkassen mit dem beschuldigten Pharmaunternehmer geschlossen. Dieser soll fast 1,6 Millionen Mark an die Kassen zurückzahlen. Im Gegenzug wollen diese auf den Rest ihrer bisherigen Forderungen in Höhe von insgesamt 3,1 Millionen Mark verzichten.

Der 44-jährige Pharmareferent aus der Nähe von Lüneburg soll zusammen mit einer Lüneburger Apothekerin in bisher 66 Fällen vor allem Nährmittellösungen für schwer Krebskranke unrechtmäßig abgerechnet haben. Nach Angaben der AOK verschrieb ein Arzt an einem hannoverschen Krankenhaus die Beutel mit einer Ernährungslösung, die per Infusion zu verabreichen war. Die Rezepte liefen über 30, manchmal sogar über 60 Tage. Entweder starben die Patienten jedoch weit vor der Frist oder wurden im Krankenhaus versorgt, sagte AOK-Sprecher Klaus Altmann.

Die Apotheke habe dennoch die vollen Kosten mit den Kassen abgerechnet. Dabei habe der Pharmareferent die Rezepte von dem Arzt besorgt und sie den beiden Apotheken in Lüneburg und Ostfriesland zugeleitet, hieß es. Das Landgericht Aurich hat am vergangenen Montag auf Antrag der AOK Niedersachsen 360.000 Mark zu Lasten der ostfriesischen Apotheke sichern lassen. Bereits Ende Januar hatte die Lüneburger Apothekerin die Forderungen der Kassen in voller Höhe anerkannt und ihnen ihr Vermögen übertragen. "Es gibt derzeit Hinweise darauf, dass noch weitere Apotheken bundesweit betroffen sind", sagte ein AOK-Sprecher. Ortsnamen wollte er nicht nennen.

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