N A C H R I C H T E N 31.05.2000 Heuschnupfen im Urwald? Was Allergiker auf Reisen beachten solltenMönchengladbach (Sandra Hoffmann) - Dschungeltouren in Thailand und Safaris in Kenia - solche Reiseziele kennen viele Allergiker und Asthmatiker höchstens vom sehnsüchtigen Blättern im Katalog. Aus Angst, dass es so weit entfernt vom sicheren Heim Probleme mit ihrer Erkrankung geben könnte, lassen sie oft die Finger von Fernreisen. Dabei spricht bei sorgfältiger Planung nichts gegen eine Tour in exotische Gebiete."Reisen und Urlaub bedeuten immer ein Stück Lebensqualität, deshalb sollte man auf keinen Fall darauf verzichten", sagt Hartwig Lauter, Bundesvorstand des Deutschen Allergie- und Asthmabundes in Mönchengladbach und Leiter der Fachklinik Kloster Grafschaft in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen). Die Furcht vor den Risiken von Fernreisen entstehe vor allem durch mangelnde Aufklärung. Tatsächlich gibt es kaum einen ernsthaften Grund, frustriert im heimischen Sessel sitzen zu bleiben. Vorausgesetzt, der Allergiker ist gut informiert und weiß, wie er mit seiner Überempfindlichkeit umgehen muss, kann alles ausprobiert werden. Der einzige Punkt sei, sagt Lauter, dass es nicht überall die gewohnte ärztliche Versorgung gebe und man unter Umständen Probleme habe, sich zu verständigen. Um solche Schwierigkeiten zu vermeiden, sollten sich Allergiker mit allen Medikamenten eindecken, die sie unterwegs brauchen könnten. Das gilt sowohl für Medizin, die auch zu Hause täglich eingenommen werden muss, als auch für Medikamente, die zur Behandlung eines allergischen Schocks im Ernstfall benötigt werden. Bestimmte Dinge wie eine Anti-Histaminika-Salbe zur Behandlung von Insektenstichen sollten auch bei Nicht-Allergikern zum Reisegepäck gehören. Der Hausarzt hilft dabei, das Vorsorgepaket richtig zu schnüren. Außerdem erklärt er, wie die Präparate richtig angewendet, transportiert und gelagert werden. Wer geschickt plant, kann als Allergiker von seinem Urlaub durchaus profitieren: Ideal sei es zum Beispiel, als Pollenallergiker auf eine mediterrane Insel zu gehen, auf der im Sommer die Blütezeit bereits vorbei ist, empfiehlt Josef Wenning, Hautarzt aus Villingen und Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen in Hamburg. Auf jeden Fall sollte - sofern für die jeweilige Urlaubsregion vorhanden - der Pollenflugkalender zu Rate gezogen werden. Allgemein gilt, dass Küstenregionen für Allergiker gut geeignet sind. Wer stark auf Tierhaare oder Milben reagiert, sollte sich zudem beim Veranstalter oder in der Ferienanlage erkundigen, ob etwa in der Ferienwohnung vorher jemand mit Katze oder Hund gewohnt hat. Sonst könne der Urlaub schnell im Krankenhaus enden, warnt Wenning. Vorsicht ist bei Schutzimpfungen angebracht. Impfstoffe, die auf Eiweiß basieren, sorgen oft für heftige allergische Reaktionen. Dennoch ist vor allem bei Fernreisen in bestimmten Regionen ein Schutz etwa gegen Hepatitis oder Gelbfieber unumgänglich. Wer die entsprechenden Impfstoffe nicht verträgt, muss auf diesen Schutz und damit eventuell auch auf die Reise verzichten. Oft verbessert sich der Gesundheitszustand von Allergikern schon in den ersten Urlaubstagen merklich. Doch auch wenn die Nase plötzlich nicht mehr läuft, sollte man nicht leichtsinnig werden: Es sei wichtig, die Medikamente wie gewohnt weiter einzunehmen, mahnt Wolf Nürnberg, Chefarzt der Ostseeklinik Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern). Ansonsten könnte sich vor allem bei Asthmatikern der Zustand plötzlich drastisch verschlechtern. Ähnlich sieht es beim Thema Essen aus: Experimente können schlimme Folgen haben - was Nahrungsmittelallergikern schon daheim Probleme bereitet, wird es auch in den Tropen tun. "Besondere Vorsicht ist bei rohem Fisch, Krustentieren, nicht genau identifizierbaren gemischten Speisen sowie bei einheimischen Gewürzen angebracht", warnt Nürnberg. Schwierigkeiten bereiten außerdem so genannte Kreuzallergien - eine Überempfindlichkeit auf Stoffe, die sich in verschiedenen Materialien oder Lebensmitteln verstecken. Wer zum Beispiel auf Latex reagiert, verträgt möglicherweise auch Bananen, Avocados oder Feigen nicht. Und plagt einen eine Gräserpollenallergie, so könnten Erdnüsse und Sojaprodukte ebenfalls eine reizende Wirkung haben. Daher sollten Betroffene lieber auf manche freundlich angebotene einheimische Spezialität verzichten - auch wenn es manchmal noch so schwer fällt. Abgesehen von diesen individuellen Vorsichtsmaßnahmen sollte sich aber niemand seinen gesamten Urlaub von seiner Allergie diktieren lassen. "Die wenigsten Allergien sind lebensbedrohlich. Meistens sind sie lediglich eine Belästigung", sagt Hautarzt Wenning. Um Komplikationen in schwerwiegenden Fällen, etwa bei Arzneimittelunverträglichkeiten, zu vermeiden, empfiehlt Wenning, den Allergiepass in die jeweilige Landessprache übersetzen und bereits erprobte Alternativ-Therapien eintragen zu lassen. Ein entsprechender Service wird oft an Konsulaten und Tropeninstituten angeboten. Zudem kann es sinnvoll sein, ein paar Vokabeln der jeweiligen Landessprache zu lernen. Denn dann kann zum Beispiel der Kellner in Japan darauf aufmerksam gemacht werden, dass man auf die Sojasoße zum Fisch aus gesundheitlichen Gründen lieber verzichten möchte. © 2000 gms/MEDI-Report: www.medi-report.de |