N A C H R I C H T E N

31.05.2000

Leichtsinn rächt sich: Reisen in die Tropen erfordern Impfschutz

Berlin/Marburg (Sebastian Knoppik) - Im August 1999 machte ein Gelbfieber-Fall bundesweit Schlagzeilen: Ein Kameramann, der sich während einer Reise an der afrikanischen Elfenbeinküste mit dem Erreger infiziert hatte, starb trotz der Bemühungen der Ärzte nach vier Tagen in der Berliner Universitätsklinik Charité. Gelbfieber kommt vor allem in den Tropen Afrikas und Lateinamerikas vor und wird durch Mückenstiche übertragen. In jedem zweiten Fall verläuft die Krankheit tödlich. Damit ist Gelbfieber eine der gefährlichsten Erkrankungen, die sich Reisende im Urlaub zuziehen können - aber sie ist längst nicht das einzige Risiko. Und nicht nur in den Tropen gibt es gefährliche Viren, gegen die man sich aber zum Teil durch Impfen schützen kann.

Vor Auslandsreisen sollte man "mindestens sechs Wochen vorher zum Arzt gehen und sich beraten lassen", sagt Corinna Rohreit vom Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. Die meisten Impfungen brauchen mehrere Termine und damit etwas Zeit - für Last-Minute-Urlauber kommt eine Impfung meist zu spät. Aber auch wer kurzfristig verreist, sollte einen Termin beim Arzt sicherheitshalber noch einplanen.

Gegen eine andere Tropen-Krankheit, die Malaria, gibt es keinen Schutz durch Impfung. Wer sich vor dieser ebenfalls durch Stechmücken übertragenen Krankheit schützen will, kann jedoch mit Medikamenten vorbeugen. Zusätzlich sollten Tropen-Reisende unbedingt ein Mückennetz und gut deckende Kleidung mitnehmen. Denn am besten ist es, wenn man sich erst gar nicht stecken lässt.

Reisende, die nach Indien fahren, sollten sich gegen Tollwut impfen lassen, rät Expertin Rohreit. Tollwut wird dort häufig durch Bisse herumstreunender Haushunde übertragen. Aber auch wer innerhalb Europas reist, sollte sich gegen Krankheiten schützen: Corinna Rohreit empfiehlt, in jedem Fall den Impfschutz gegen Tetanus und Diphtherie zu überprüfen und in bestimmten Regionen auch Maßnahmen gegen Hepatitis A und die durch Zecken übertragene Frühsommer-Mengingoenzephalitis (FSME) zu treffen, etwa in der Mittelmeerregion oder Osteuropa. In der Türkei sind auch Fälle von Polio - der so genannten Kinderlähmung - aufgetreten. Wer in die Türkei reist, sollte sich daher auf jeden Fall gegen diese Krankheit impfen lassen.

"Wer mit dem Rucksack durch Indien reist, ist stärker gefährdet als der Pauschaltourist auf Lanzarote", sagt Rohreit. Auch wer das Zielgebiet schon kennt, sollte sich vor jeder Auslandsreise beraten lassen. Schließlich kann sich die Ausbreitung von Krankheiten und damit das Ansteckungsrisiko ändern. Wer sich vor dem Arztbesuch schon einmal vorab informieren will, findet Informationen zum Impfschutz im Internet zum Beispiel unter www.die-reisemedizin.de.

Ganz ungefährlich sind Impfungen aber nicht. Ein geringes Risiko, dass der Körper auf die Impfung negativ reagiert, besteht. "Jeder sollte sich genau überlegen, ob eine Impfung wirklich sinnvoll ist", sagt Anja Dornhoff vom Schutzverband für Impfgeschädigte in Kirchen (Rheinland-Pfalz). "Die Impfung kann negative Reaktionen des Körpers hervorrufen, von einer einfachen Infektion bis zu schweren genetischen Dauerschäden."

Dornhoff lehnt Impfungen vor Reisen nicht grundsätzlich ab, warnt aber vor unüberlegtem Impfen. Oft würden die Patienten überhaupt nicht über die Risiken einer Impfung informiert. Dornhoff rät, sich nur bei Ärzten impfen zu lassen, die ausführlich beraten.

Die Kosten für die Impfung sollten in die Reisekasse eingeplant werden. Denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Impfungen nicht grundsätzlich. Anders als bei den regelmäßig erforderlichen Tetanus- und Diphtherie-Auffrischimpfungen dürfen die Kassen bei eindeutigen Reiseimpfungen die Kosten nicht übernehmen. "Schließlich ist ein Urlaub ja das Privatvergnügen des Versicherten", sagt Rolf Mentzell von der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg.

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