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N A C H R I C H T E N

28.05.2000

Diabetes-Forschung: Kurzer Eingriff kann Insulinspritzen ersparen

New York (dpa) - Forschern in Kanada ist es offenbar erstmals gelungen, Patienten mit Diabetes Typ 1 - der meist schon in jungen Jahren auftretenden Form der Zuckerkrankheit - von ihren Insulinspritzen zu befreien. Alle acht an einer Studie beteiligten Patienten gelten als geheilt, hieß es in US-Presseberichten. Sie brauchten auch fast ein Jahr nach der Transplantation der Insulin produzierenden Zellen weder Tabletten noch Spritzen zur Regulierung ihres Zuckerspiegels.

Der vielversprechende Versuch soll bereits in wenigen Monaten in acht klinischen Zentren der USA und Europas wiederholt werden, berichtete die "New York Times" am Wochenende. Das "New England Journal of Medicine" (Boston) will eine ausführliche Beschreibung des Experiments in Kürze auf seiner Website veröffentlichen. Die gleiche Transplantation könnte einmal auch Patienten mit dem als Alters- Diabetes bekannten Typ II helfen, sollte sich das Verfahren bewahrheiten, heißt es.

Das Ärzteteam in Edmonton (Provinz Alberta) transplantierte die Zellen über einen Katheter in die Vene, die zur Leber führt. Die Prozedur war in weniger als 20 Minuten bei lokaler Betäubung beendet und wurde nach einigen Wochen noch einmal wiederholt. Jeder der acht Patienten erhielt etwa einen Teelöffel der Insulin produzierenden Beta-Zellen. Diese Menge war aus jeweils zwei Bauchspeicheldrüsen von Organspendern isoliert worden.

Wie von dem Team erhofft, verteilten sich die transplantierten Zellen auf die winzigen Blutgefäße in der Leber und begannen dort, ganz normal den Blutzuckerspiegel zu überwachen und durch Abgabe von Insulin und einem anderen Hormon, Glucagon, zu regulieren. Der Direktor der Pankreaszellen-Forschungsgruppe in Edmonton, Ray Rajotte, beschrieb die Glukose-Steuerung als minutiös, "wie bei einem gesunden Menschen".

Mediziner haben seit gut zwei Jahrzehnten probiert, ihre Patienten durch die Transplantation von Bauchspeicheldrüsen oder deren Gewebe von der externen Insulingabe zu befreien - bis zum jüngsten Versuch jedoch erfolglos oder nur mit kurzfristigem Erfolg.

Das Team in Edmonton begründet seinen Durchbruch damit, dass es weitaus mehr Insulin produzierende Zellen transplantierte als andere Forscher in der Vergangenheit und dass es eine neue, besser verträgliche Kombination von Medikamenten zur Unterdrückung der Abwehrkräfte gegen die körperfremden Zellen verschreibt. Die einzige Nebenwirkung, die die acht Patienten bisher berichteten, sind offene, leicht zu behandelnde Stellen im Mund. Dagegen hatten frühere Mittel oft die transplantierten Zellen selbst angegriffen.

© 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de
 
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