N A C H R I C H T E N 26.05.2000 Affäre Friedl: Staatsanwalt durchsucht Universität und PrivatwohnungFreiburg (dpa) - Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat bei ihren Ermittlungen gegen den beurlaubten Chefarzt Hans Peter Friedl die unfallchirurgische Abteilung der Universitätsklinik Freiburg durchsucht. Wie der zuständige Staatsanwalt am Freitag auf Anfrage mitteilte, seien auch die Verwaltungsräume und die Privatwohnung Friedls durchsucht worden. Der umstrittenen Chirurgen steht unter dem Verdacht fahrlässiger und vorsätzlicher Körperverletzung.Ihm werden verschiedene Operationsfehler vorgeworfen. Außerdem soll er einer Patientin den wahren Grund für eine zweite Operation - ein zurückgebliebenes Tuch im Bauch - verschwiegen und damit die Operationserlaubnis erschlichen haben. Weitere Vorwürfe sind Abrechnungsbetrug zu Ungunsten von Krankenkassen durch Fälschung von Operationsberichten sowie Anstellungsbetrug. Friedl soll bei seiner Berufung an die Universität Freiburg unwahre oder unvollständige Angaben gemacht haben. Zu den sicher gestellten Unterlagen gehören unter anderem Operations- und Anästhesieberichte, seine Personalakte sowie Abrechnungs- und Kontobelege. Unterdessen hat das Wissenschaftsministerium in Stuttgart zur Klärung der Vorwürfe gegen den Unfallchirurgen eine weitere Untersuchungskommission eingesetzt. Dies sei in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen in der Freiburger Universitätsklinik geschehen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag auf dpa-Anfrage. Man werde in den nächsten Tagen auf einige hoch qualifizierte Mediziner in Deutschland zugehen. Eine Suspendierung des umstrittenen Mediziners stehe zur Zeit nicht an. Dies könne nur geschehen, wenn dieser Wunsch von der Uniklinik an das Ministerium herangetragen würde. Dies sei bislang jedoch nicht geschehen. Die nun vom Ministerium einberufene Expertenkommission ist bereits die vierte, die sich mit dem Fall Friedl beschäftigten wird. Das Gutachten einer ersten Kommission stand unter dem Verdacht, ein Gefälligkeitsgutachten zu sein. Danach hat die Universität eine zweite Kommission einberufen, die derzeit noch arbeitet. Auch eventuelle Fehler beim Berufungsverfahren werden von Experten geklärt. © 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |