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25.05.2000 Illegaler Gen-Raps: Greenpeace stellt StrafanzeigeHamburg/Stuttgart/Fairfield/London (dpa) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Donnerstag wegen angeblich illegal nach Deutschland geschafftem Gen-Raps bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige gegen eine Saatgutfirma gestellt. Die niederländische Firma Advanta Seeds hat laut Greenpeace ohne Genehmigungen den genmanipulierten Raps über Zwischenhändler auch an deutsche Bauern, vor allem in Baden-Württemberg, vertrieben. Wegen Unterlassung wurde zudem Anzeige gegen das Stuttgarter Umweltministerium erlassen, das den Rapsanbau nicht verfolgen wollte.
"Das Bundeslandwirtschaftsministerium spielt die Gefahr des illegalen Rapsanbaus herunter", sagte die Greenpeace- Gentechnikexpertin Stephanie Töwe in Hamburg. Während die Agrarministerien in Schweden und Frankreich bereits die Vernichtung des Gen-Rapses anordneten, heiße es in Deutschland, eine Verunreinigung von 0,03 Prozent sei kein Grund zur Aufregung. "Selbst wenn dieser Wert stimmen sollte, sind das immer noch 100.000 genmanipulierte Rapspflanzen, die ohne Prüfung der ökologischen und gesundheitlichen Risiken auf deutschen Äckern wachsen", betonte Töwe. Die veränderten Gene würden sich "verbreiten wie ein E-Mail-Virus". Der Raps müsse darum "runter vom Acker bevor er anfängt zu blühen".
Das Ministerium für Umwelt in Baden-Württemberg hatte angekündigt, keine Maßnahmen gegen den Anbau zu ergreifen. Denn bei der geringen Beimischung von genetisch verändertem Saatgut von 0,03 Prozent wäre eine Vernichtung unverhältnismäßig; eine entsprechende Verordnung hätte vor den Verwaltungsgerichten keinen Bestand. Die Beimengung in Deutschland liege weit unter dem - angedachten, nie festgelegten - europäischen Grenzwert von einem Prozent, hatte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch mitgeteilt.
Nach Meinung Töwes schreibt dagegen die Rechtslage eindeutig vor, jeden Verstoß gegen die Zulassungsbestimmungen von Gen-Pflanzen im Interesse von Mensch und Umwelt scharf zu ahnden. "Die Untätigkeit der deutschen Behörden lädt die Gentechnikindustrie zum Rechtsbruch ein", meinte Töwe.
Der Anbau der genmanipulierten Rapssorte ist laut Greenpeace durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse besonders brisant. Ein deutscher Forscher habe jetzt nachgewiesen, dass sich gentechnisch manipuliertes Erbgut von Rapspflanzen auf Bakterien und Pilze im Darm von Bienen übertragen könnte. "Das ist ein neuer Beleg dafür, dass veränderte Gene vollkommen aus der Kontrolle geraten, wenn sie einmal in die Umwelt gelangt sind", sagte Töwe. Greenpeace fordert darum von der Bundesregierung, den Anbau genmanipulierter Pflanzen sofort zu stoppen.
US-Fachleute: Beigemischte Gensaat in jeder zweiten Probe
Die in Europa bekannt gewordene Verunreinigung von konventionellem Saatgut mit Genraps ist nach Auskunft amerikanischer Fachleute nur "die Spitze des Eisbergs". Derartige Verunreinigungen seien gang und gebe, teilte das Unternehmen Genetic ID in Fairfield (US-Staat Iowa) dem britischen Fachmagazin "New Scientist" (Nr. 2240, S.4) mit. Bereits im vergangenem Jahr seien 20 Proben Mais-Saatgut in den USA untersucht worden. Zwölf enthielten Gen-Mais, zwei davon sogar mehr als ein Prozent. "Ich schätze, das passiert laufend", zitiert das Magazin den Vizepräsidenten Jeffrey Smith. Die Firma kontrolliert Landwirtschaftsprodukte nach gentechnologisch veränderten Beimischungen.
Der mit Gen-Saatgut (RT 73) verunreinigte Raps aus Kanada war in vier europäische Länder gelangt. Landwirte in Frankreich und Großbritannien haben derweil einige der Raps-Pflanzungen zerstört. Schweden hat die Vernichtung der Pflanzen staatlich angeordnet. Raps- Saatgut, das zu 0,03 Prozent mit Gen-Saat verunreinigt war, ist auch nach Baden-Württemberg gelangt. Die Landesregierung sieht jedoch keine Gefahr und plant daher keine derartigen Maßnahmen.
Der größte US-Vertreiber von konventioneller und gentechnisch veränderter Saat, Pioneer Hi-Bred, sagte dem Magazin, dass geringe Beimischungen unvermeidlich seien. "Absolute Reinheit gibt es bei keinem Landwirtschaftsprodukt in der Nahrungsmittelkette", sagte Firmensprecher Doyle Kaines. US-Farmer schicken ihre Saat an Firmen, die sie mit der Saat anderer Landwirte vermischen und dann an Großhändler sowie Exporteure weiterreichen. Eine Umfrage von fast 1.200 dieser Firmen ergab, dass nur die wenigsten bereit sind, das erhaltene Saatgut ständig auf Verunreinigungen zu überprüfen.
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