N A C H R I C H T E N

24.05.2000

Stressfaktor Nummer eins ist der Job - Ärzteverband Marburger Bund kritisiert wachsenden Arbeitsdruck

Köln/Saarbrücken (MEDI-Report) - Mehr als 40 Prozent der Bundesbürger fühlen sich bei der Arbeit gestresst. Das Stress-Empfinden steigt dabei mit dem Einkommen. Das ergab eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg im Auftrag der Berlin-Kölnischen Krankenversicherungen in Köln. Von den Befragten, die über ein Haushalts-Nettoeinkommen von 5.000 Mark und mehr verfügen, erlebt dem Unternehmen zufolge über die Hälfte (57 Prozent) den Job als belastenden Stress. Dies gelte für Frauen und Männer gleichermaßen.

Doch Stress wird nicht immer als Belastung empfunden: Bei der Frage nach dem "schönsten Stress" gaben 33 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer die Antwort: die Geburt des eigenen Kindes. Erfolg im Job rangiert an zweiter Stelle: 23 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen empfinden dies als angenehme Art der Anspannung. Für viele jüngere Befragte (35 Prozent) zwischen 14 und 29 Jahren ist Verliebtsein der "schönste Stress".

Um den kräftezehrenden Druck im Beruf wieder loszuwerden, setzen viele Menschen auf Sport und Fitness: Über ein Drittel der Befragten (35 Prozent) versuchen die Anspannung beim Sport loszuwerden. Bei jüngeren Menschen ist es der Versicherung zufolge sogar jeder Zweite (48 Prozent). Rund acht Prozent setzen auf Entspannungsmethoden, fast jeder Vierte (23 Prozent) baut Spannung bei einem Hobby wie etwa Lesen ab. Rund 14 Prozent unternehmen gar nichts gegen die Belastung.

Marburger Bund: Patienten und Ärzte leiden unter Arbeitsdruck

Im Gesundheitswesen führt der wachsende Rationalisierungs- und Spardruck zu Qualitätsverlusten und - durchaus auch - zunehmend zum persönlichen Bournout. Der Ärzteverband Marburger Bund hat den Arbeitsdruck in den Krankenhäusern kritisiert. Darunter litten zunehmend auch die Patienten, sagte der stellvertretende Vorsitzende, Rudolf Henke, am Mittwoch im Saarländischen Rundfunk. In diesem Jahr sei bundesweit mit 50 Millionen Überstunden der Ärzte in Krankenhäusern zu rechnen.

In den vergangenen Jahren seien über 200 Krankenhäuser und 120.000 Betten stillgelegt worden. Die Patienten seien schwerer erkrankt und blieben heute mit durchschnittlich gut zehn Tagen kürzere Zeit in den Kliniken. Auf Patienten, die den Arbeitsablauf störten, "weil es dann nicht mehr so wie am Fließband geht", könne immer weniger Rücksicht genommen werden.

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