N A C H R I C H T E N 24.05.2000 Patienten aus dem Cyberspace: Wie Ärzte das Internet nutzen könnenBonn (Christian Röwekamp) - Peter Strauven ist Arzt und hat seine Praxis in Bonn. Seine Patienten wohnen aber nicht nur in der Ex-Bundeshauptstadt und deren Umland, sondern zum Teil auch in Trier und Düsseldorf. Gewonnen hat Strauven sie auf einem Weg, der manchen Ärzten derzeit noch kaum vorstellbar erscheint: über seine Homepage. "Allein dieses Jahr sind bisher schon 20 Patienten direkt über das Internet zu mir gestoßen", sagt der 45-jährige Allgemeinmediziner, der unter www.strauven.de täglich etwa 350 Zugriffe verzeichnet. Für ihn steht fest: Auf eine Präsentation im Web werden Ärzte künftig kaum noch verzichten können.Strauven stellt auf seiner Homepage nicht nur die Öffnungszeiten und das Praxisteam vor - er gibt auch Tipps für ein gesünderes Leben. Der Leser erfährt zum Beispiel, wie man mit dem Rauchen aufhören kann und warum Zink als Bestandteil der Nahrung so wichtig ist. "Der Patient kann im Web noch einmal nachlesen, was ich ihm erklärt habe", sagt der Arzt, der sich zunehmend auf ganzheitliche Medizin verlegt und eine intensive Arzt-Patienten-Kommunikation via Internet anstrebt. Beratung im Web leistet Strauven zwar nicht: "Wenn mir jemand eine E-Mail schickt und Symptome schildert, antworte ich ihm, dass ich auf dieser Grundlage keine Diagnose treffen kann und er vorbeikommen oder einen anderen Arzt aufsuchen sollte." Ab August will er aber manche Patienten regelmäßig per E-Mail mit "Gesundheits-News" beliefern, denn "vor allem junge Leute sind sehr erpicht, Nachrichten von mir zu bekommen". Schon heute verwendet Strauven in der Summe etwa zehn Tage pro Jahr für seine Internet-Aktivität, demnächst werden es wohl noch mehr sein. Andererseits helfe ihm das Web aber auch dabei, Zeit zu Gunsten von Patienten zu sparen: So sucht Strauven etwa gerade einen guten Einkaufsshop für Praxismaterialien wie Spritzen und Einweghandschuhe im Web, denn dieser Bestellweg "geht schneller". Auch Fortbildung im Internet ist für Strauven ein Thema - wie für viele andere Ärzte inzwischen ebenfalls. Selbst wenn sie die Kosten einer eigenen Homepage noch scheuen - ein professioneller Anbieter in Bonn beispielsweise verlangt 4.500 Mark plus Mehrwertsteuer für das erste Jahr -, so sind die Ärzte bei der Nutzung des Cyberspace oft schon ein paar Schritte weiter. Gesundheitsportale wie Netdoktor.de und Gesundheit-SCOUT24 bieten etwa abgeschlossene Bereiche mit Informationen nur für Mediziner, in die sich Ärzte unter Verwendung eines Codeworts einloggen können. Und das Unternehmen HOS multimedica in Berlin gab vor kurzem bekannt, zusammen mit der Landesärztekammer Bayern und dem Berufsverband Deutscher Internisten die erste zertifizierte Fortbildung für Ärzte im deutschen Internet anzubieten. Die ärztliche Fortbildung am heimischen PC wird Kongressbesuche und das Studium von Fachliteratur immer stärker ergänzen, aber nie ganz ersetzen, sagt Ursula Auerswald aus Bremen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. Irgendwann werde es in jeder Arztpraxis einen PC mit Internetanschluss geben. Das sieht auch Peter Strauven so: "Das wird so kommen wie bei den Abrechnungen mit der Krankenkasse: Mit der Zeit steigt jeder auf den Rechner um." Allerdings, so sagt Strauven, "würde ich mir wünschen, dass schon jetzt mehr Ärzte in Deutschland aktiv ins Internet gehen." In Bonn etwa seien bislang nur etwa 20 Ärzte im Web präsent - die damit auch das trotz einiger Lockerungen immer noch gültige Werbeverbot für Ärzte umgehen: Die Homepage ist schließlich der "unverbindliche und anonyme Eintritt, eine Arztpraxis kennen zu lernen", wie es Strauven formuliert. Wer sich im Web gut zu verkaufen weiß, hilft mit der neuen Technik also nicht nur seinen Patienten, sondern letztlich auch sich selbst ein gutes Stück weiter. © 2000 gms/MEDI-Report: www.medi-report.de |