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23.05.2000

Kinder sind kein Handgepäck: Im Urlaub drohen Gesundheitsgefahren

Stuttgart (Wolf Günthner) - Reisen mit Kindern können schnell zum Horror-Trip werden. Viele Eltern machen sich offenbar kaum Gedanken darüber, ob ihren Zöglingen in der Fremde Gefahren drohen. Aber schon vom Spielen im Sand könnten sich Kinder in manchen Gegenden eine Wurminfektion holen, sagt Thimm Furian, Leiter des Instituts für Reisemedizin in Stuttgart. Mit Blick auf die beginnende Urlaubssaison rät er allen Eltern, ihre Kinder nicht als "zusätzliches Handgepäck" zu betrachten und sie "nicht überall hin mit zu schleppen".

Häufigstes Problem bei Kindern ist laut Furian die Reisediarrhoe. "Besonders Kinder unter drei Jahren sind von Durchfall betroffen, wobei kleine Kinder viel schneller durch den lebensbedrohlichen Wasserverlust gefährdet sind", stellt der Mediziner fest. Deshalb empfiehlt er, unbedingt auch Elektrolyt-Ersatz mitzunehmen. Die Krankheit ende oft deshalb lebensbedrohlich, weil sie einen schnelleren Verlauf als bei Erwachsenen nehme: "Ein Kind kann innerhalb eines Tages sterben."

Zur einfachen Vorbeugung gehört deshalb, dass die Reisenden in südlichen Ländern kein ungewaschenes Obst und Gemüse essen sowie rohes Fleisch und offenes Wasser meiden. Vor Reisen nach Griechenland und in die Türkei empfiehlt der Arzt eine Impfung gegen Hepatitis A, die auch in Südspanien und auf den Balearen vermehrt vorkommt.

Reisen nach Tunesien und Ägypten erfordern nach Ansicht des Arztes sogar eine reisemedizinische Vorbereitung und Prävention gegen Typhus und Hepatitis. "Diese Gebiete gehören nicht mehr zu unserem Hinterhof, auch wenn man schnell dort ist." In Ägypten und Marokko beginne außerdem die Malaria-Zone. Schutz und Vorsorge gegen die gefährlichen Stechmücken empfiehlt der Institutsleiter auch vor Reisen nach Zentral- und Südafrika, Mittelamerika, Südost-Asien, in die Karibik und einige ehemalige GUS-Staaten.

Auch wer mit dem Auto nach Süden fährt, kann sich die Urlaubsfreude gründlich verderben. Nicht durchfahren, sondern öfters Pause machen und viel trinken, lautet die erste Empfehlung. Um das Thrombose-Risiko zu senken, rät der Mediziner Reisenden mit Venenproblemen, auf der Fahrt Stützstrümpfe zu tragen. Je heißer es im Auto werde, desto mehr müssten alle Insassen trinken. "Der Flüssigkeitsverlust kann enorm sein und gerade bei Kindern zu Gesundheitsstörungen führen", warnt Furian.

Bei Flugreisen gilt die Faustregel: Je kleiner das Kind, desto besser steckt es den Flug weg. Der Mediziner empfiehlt, Säuglinge bei der Start- und Landephase am Schnuller lutschen zu lassen. Druckschwankungen bereiteten kaum Probleme, da die Gehörgänge noch stärker mit Flüssigkeit gefüllt seien als beim Erwachsenen. "Der Flug ist meist der unproblematischste Teil der Reise. Auch der Klima- und Zeitzonenwechsel erfolgt bei Kindern schneller als bei Erwachsenen", erklärt der Reisemediziner.

Bei Aufenthalten in ärmeren Ländern sollte gleich nach der Ankunft geklärt werden, wo eine gute medizinische Versorgung zu finden ist, rät der Stuttgarter Arzt.

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