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23.05.2000

Jenaer Studie zu Frühgeburt: Nitroglycerin-Pflaster hemmen Geburtswehen

Jena (dpa) - Bei Schwangeren mit einer drohenden Frühgeburt können Nitroglycerin-Pflaster nach Erkenntnissen von Jenaer Wissenschaftlern die Wehen besser hemmen als bisherige Mittel. Das habe die erste klinische Studie in Deutschland zu diesem Thema ergeben, teilte die Universität Jena am Montag mit. Die Studie sei an der Universitäts- Frauenklinik in Zusammenarbeit mit der Frauenklinik Gera vor kurzem abgeschlossen worden. Erste Ergebnisse seien am Wochenende bei einem internationalen Symposium in Jena vorgestellt worden.

Mit der Studie sollte nach den Worten des Projektleiters, Ekkehard Schleußner, die Effektivität von Nitroglycerin-Pflastern bei der Behandlung von drohenden Frühgeburten mit der herkömmlichen Therapie verglichen werden, bei der die Patientinnen per Infusion das Wehen hemmende Mittel Fenoterol erhalten. Dazu wurden 50 Schwangere, die ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat stationär aufgenommen werden mussten, nach dem Zufallsprinzip entweder der gängigen Tropftherapie oder der weniger invasiven Pflastertherapie zugeordnet.

"Bei den mit Nitroglycerin-Pflastern behandelten Schwangeren konnte in 86 Prozent der Fälle eine Frühgeburt verhindert werden, im Vergleich zu nur 27 Prozent in der herkömmlichen Vergleichsgruppe", fasste Schleußner das wichtigste Ergebnis der Studie zusammen. Erfreulicherweise habe es bei keinem der Neugeborenen Komplikationen gegeben. Allerdings seien die Babys nach der Nitroglycerin-Therapie im Durchschnitt fast ein Pfund schwerer als die Babys der Vergleichsgruppe. Dieses Phänomen erklärte Schleußner mit der deutlich längeren Schwangerschaftsdauer von 270 gegenüber 252 Tagen.

Obwohl es bei der Therapie mit Nitroglycerin-Pflaster länger dauere, bis die Wehen unterdrückt werden, hätten fast alle Patientinnen diese Behandlungsmethode gut angenommen. Nur zwei von 27 der Frauen hätten die Therapie abgebrochen, sagte Schleußner. Grund sei die einzig gravierende Nebenwirkung des Nitroglycerins, der so genannte Nitrat-Kopfschmerz, der auf der verstärkten Durchblutung der Gehirngefäße beruhe. Bevor diese Therapie zur klinischen Routine werden könne, bedürfe es jedoch noch weiterer Untersuchungen mit größeren Patientenzahlen. Deshalb solle die Jena-Geraer Studie mit einer Thüringer Multicenter-Studie fortgesetzt werden.

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