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22.05.2000

Schluckimpfung soll Aids-Epidemie in Afrika bekämpfen: DNA-Material zur Aktivierung der Lymphozyten

Baltimore (dpa) - Um die Aids-Epidemie in Afrika einzudämmen, haben US-Forscher mit der Entwicklung einen Impfstoffs zum Schlucken begonnen. Der Stoff werde nur Pfennige kosten und laut Plan bereits in eineinhalb Jahren zum klinischen Test in Uganda verfügbar sein, teilte das federführende Institut für Human-Virologie (IHV) in Baltimore (Maryland) am Samstag mit. Gründer des IHV ist Robert Gallo, einer der beiden Entdecker des HI-Virus.

Der neue Impfstoff basiert auf einer Erkenntnis, die Aids-Forscher um Andrew McMichael von der Oxford Universität in Großbritannien einer kleinen Gruppe kenianischer Prostituierter verdanken. Danach helfen bestimmte Immunzellen, zytotoxische T-Lymphozyten genannt, den Aidserreger HIV abzuschütteln. Die Prostituierten sind HIV-frei, obwohl sie jahrelang immer wieder mit dem Virus in Kontakt kamen. McMichael erklärt sich ihre Immunität mit den an T-Lymphozyten reichen Abwehrkräften der Frauen.

Die geplante Schluckimpfung will deshalb genau diese Immunzellen bei Afrikanern mit hohem Risiko für eine HIV-Infektion mobilisieren. Das Vakzin soll einen DNA-Abschnitt von der Hülle des HIV-Erregers und DNA-Material zur Aktivierung der Lymphozyten enthalten. Zur Übertragung des genetischen Materials wollen sich die Forscher der so genannten Baktofektion bedienen. Das heißt, sie beladen entschärfte Bakterien, in diesem Fall Salmonellen, mit der DNA-Fracht und geben sie als Schluckimpfung aus.

Wenn der Stoff in den Darm gelangt, werden die Salmonellen von Phagozyten, einem anderen Typ von Immunzellen, des geimpften Menschen geschluckt. Damit gelangt die DNA-Fracht in seinen Blutstrom und seine Schleimhaut und kann dort dem HIV-Erreger Paroli bieten. Die meisten HIV-Infektionen erfolgen über die Schleimhaut von Mund, Vagina oder Rektum, erläuterte das Institut.

Die Entwicklung der Schluckimpfung finanziert die Internationale Aidsvakzin-Initiative (IAVI). Zur Herstellung des Impfstoffs soll DNA-Material speziell von Menschen in Ostafrika verwendet werden. Laut IAVI soll er zuerst in Uganda getestet werden. In Afrika leben 70 Prozent aller HIV-Infizierten weltweit. Zu rund 95 Prozent der Neuinfektionen kommt es in den Ländern südlich der Sahara.

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