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22.05.2000

WHO: Mehr Geld für Aids-Bekämpfung - Erfolg für Tabak-Konvention

Genf (MEDI-Report) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird ab sofort mehr Geld und Arbeitskraft für die Bekämpfung von HIV-Infektionen und Aids einsetzen. Das beschlossen die 191 Mitgliedstaaten der Organisation am Samstag bei ihrer Jahreskonferenz in Genf. In einer Resolution forderten sie WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland zudem auf, über das normale Budget hinaus nach Spenden für die HIV- Prävention und die Behandlung von Aids-Kranken in Entwicklungsländern zu suchen.

Zum Abschluss der Konferenz beschlossen die Mitglieder weiter, im Oktober mit den offiziellen Verhandlungen über die Anti-Tabak- Konvention zu beginnen und einen genauen Zeitplan bis zur Verabschiedung aufzustellen. Die Konvention soll Produktion, Kennzeichnung und Verkauf von Zigaretten neu regeln. Die Vorarbeiten für die rechtlich bindende Konvention kommen zügig voran. Die WHO will demnächst öffentliche Anhörungen veranstalten, an der auch Vertreter von Tabak-Konzernen teilnehmen können.

Nicht durchgesetzt bei der Konferenz hatte sich ein Vorschlag Simbabwes, wonach Brundtland einen "besten Preis" für Arzneimittel zur Behandlung von Aids-Patienten festlegen sollte. Hintergrund dieser Forderung, die mehrere afrikanische Staaten unterstützten, ist das Angebot von fünf großen Pharmakonzernen, darunter Boehringer Ingelheim, ihre Medikamente für den so genannten "Anti-Aids-Cocktail" künftig mit Preisabschlägen von bis zu 80 Prozent abzugeben.

Die Minister der am stärksten von Aids betroffenen Staaten Afrikas hatten bei der Konferenz in Genf kritisiert, sie seien in die Gespräche mit den Pharmafirmen nicht einbezogen worden. In der HIV/Aids-Resolution wird deshalb nun gefordert, dass die WHO-Mitgliedsstaaten und Vereinigungen von HIV-Infizierten an den Verhandlungen mit den Pharmakonzernen teilnehmen dürfen.

Kein Konsens erzielten die WHO-Mitglieder bei einer geplanten Resolution zum Thema Kinder- und Säuglingsernährung, die von Brasilien eingereicht worden war. Darin war eine bessere Überwachung der Einhaltung der WHO-Richtlinien zur Vermarktung von Ersatzprodukten von Muttermilch gefordert worden.

Afrikanische Staaten: Aids-Medikamente bleiben unerschwinglich

Die afrikanischen Staaten sehen allerdings in den Preissenkungen für Aids-Medikamente, die fünf große Pharmakonzerne vergangene Woche angekündigt hatten, nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Für die meisten Menschen in Afrika blieben die Medikamente selbst bei um 80 Prozent niedrigeren Preisen unerschwinglich, erklärten die Gesundheitsminister 14 afrikanischer Staaten am Freitag bei der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Sie forderten eine Ausdehnung des Angebots auf Medikamente, mit denen die Folge-Krankheiten der Immunschwäche behandelt werden.

Das Angebot der Firmen Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Glaxo Wellcome, Merck&Co. und Roche bezieht sich ausschließlich auf Medikamente für die kombinierte "hochaktive antiretrovirale Therapie" (HAART), den so genannten Anti-Aids-Cocktail. Wie hoch die Preissenkung ausfällt, steht noch nicht fest. Sie soll von Land zu Land unterschiedlich sein und bis zu 80 Prozent betragen.

"Selbst bei einer Preisreduktion von 80 Prozent müssten wir noch 360 Millionen US-Dollar pro Jahr ausgeben, um die offiziell 150.000 Aids-Kranken im Land am Leben zu erhalten", sagte der Gesundheitsminister von Mozambik, Francisco Ferreira Songane. Dies könne sich sein Land unmöglich leisten. Er fügte hinzu, dass alles getan werden müsse, damit die Menschen in Afrika das Angebot der Pharmakonzerne nicht falsch interpretieren. Die Botschaft dürfe nicht sein: "Lasst und die Aids-Prävention vergessen, denn wir haben jetzt eine Lösung." Als erster Schritt hin zu einer neuen globalen Initiative gegen HIV/Aids sei das Angebot der Pharmafirmen aber zu begrüßen.

In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara sind mehr als 23 Millionen Menschen HIV-infiziert. Aids ist in diesen Ländern inzwischen die häufigste Todesursache.

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