N A C H R I C H T E N 20.05.2000 Freiburger Chirurgie-Skandal zieht immer weitere Kreise: Freiburger Uniklinik lässt Patienten von Friedl nachuntersuchenFreiburg (MEDI-Report) - Der Freiburger Chirurgie-Skandal zieht immer weitere Kreise. Das Wissenschaftsministerium hat nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) vom Samstag nun auch disziplinarische Vorermittlungen gegen den Leiter der Allgemeinen Chirurgie, Eduard Farthmann, eingeleitet.Farthmann werde vorgeworfen, bereits im Januar 1999 von den Vorgängen um den Chef der Abteilung Unfallchirurgie, Hans-Peter Friedl, gewusst zu haben und diese Informationen nicht verwertet zu haben. Offiziell waren die Vorwürfe gegen Friedl erst im Januar 2000 bekannt geworden. Nach Aussage des ehemaligen Vizepräsidenten der Bezirksärztekammer Südbaden, Ruprecht Zwirner, war er im Januar 1999 von Oberärzten der Unfallchirurgie über die Vorgänge in Friedls Abteilung informiert worden. Er habe darauf hin Farthmann in seinem Privathaus davon in Kenntnis gesetzt und war davon ausgegangen, dass Farthmann auch in seiner damaligen Funktion als Prorektor der Universität die notwendigen Schritte einleiten werde. Nach SWR-Informationen hat Farthmann dem Ministerium inzwischen mitgeteilt, dass Zwirner ihn nur "ganz allgemein" informiert habe. Nach Ansicht Zwirners hätte durch frühzeitigere Untersuchungen "noch manchem Patienten ein Schaden erspart werden können". Der Vorstand des Freiburger Universitätsklinikums hat einem früheren Patienten des inzwischen beurlaubten Chefs der Unfallchirurgie, Hans-Peter Friedl, konkrete Hilfe zugesichert. Wie am Freitag in Freiburg mitgeteilt wurde, seien bei dem rumänischen Patienten nach der Operation schwerwiegende Komplikationen aufgetreten. Dem Patienten wurde deshalb angeboten, sich auf Kosten der Uniklinik in Freiburg nachuntersuchen zu lassen. Gegen den 40-jährigen Friedl ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung, Manipulation von Operationsberichten und Abrechnungsbetrug. Zudem werden ihm schwere Führungsmängel vorgeworfen. Da es Zweifel an der Korrektheit eines für Friedl weitgehend positiven ersten Gutachtens über die Vorgänge in der Unfallchirurgie bestehen, hat der zuständige Oberstaatsanwalt angekündigt, ein eigenes Gutachten in Auftrag zu geben. © 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |