N A C H R I C H T E N 20.05.2000 Goldhämmerfüllung erlebt bei Zahnmedizinern Renaissance: Heute so gut wie im alten ChinaWitten (dpa) - Zahnfüllungen aus Blattgold, eine wahrscheinlich bereits im alten China bekannte Methode zur Behandlung kariöser Zähne, erlebt nach Expertenmeinung in Deutschland eine "Renaissance". Zwar sei diese Art der Zahnkonservierung auch in Europa seit dem 16. Jahrhundert bekannt und zwischendurch immer wieder an den Hochschulen gelehrt worden.In der Praxis habe sich die so genannte Goldhämmerfüllung aber nie richtig durchsetzen können, sagte der Zahnmediziner Dr. Walter Kamann (39), Privatdozent an der Universität Witten/Herdecke, am Samstag in einem dpa-Gespräch. Goldhämmerfüllung heißt die Methode, weil das dünne Blattgold im sauber ausgebohrten Zahn in vielen Lagen mit sanften Schlägen festgeklopft wird. Neu ins Blickfeld der Zahnärzte sei die Methode getreten, seit die Menschen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gingen und Karies daher in sehr viel früherem Stadium behandelt werden könne. Gerade für kleine Löcher sei das Blattgold "sehr gut geeignet." Füllungen aus Blattgold zeichnen sich nach Angaben des Zahnmediziners dadurch aus, dass sie lange halten und den Zahn schonen. Allerdings sei der Anwendungsbereich beschränkt. Falsch sei die häufig suggerierte Vorstellung, man könne "jedes Loch mit jedem Material füllen, der Patient sich die Füllung aussuchen". Blattgold komme vor allem für kleine Fissuren auf der Zahnoberfläche in Betracht. Untersuchungen zufolge hielten Komposit-Materialien, vom Patienten meist als Kunststoff bezeichnet, 4,3 Jahre. "Bei Gold liegt die Haltbarkeitsdauer satt über 20 Jahre." Dokumentiert sei sogar eine Haltbarkeit von 78 Jahren - im Fall einer 95 Jahre alten Patientin, die sich 1907 in Berlin drei Goldhämmerfüllungen habe machen lassen. Wer heutzutage Gold möchte, muss allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Laut Kamann ist eine Zuzahlung von 200 bis 300 Mark fällig. Wenn man jedoch die längere Haltbarkeit in Rechnung stelle, "dann wird das eine spottbillige Füllung". Dafür entscheide sich meist der Patient, "der viel von seiner Zahnsubstanz erhalten haben will". © 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de |