N A C H R I C H T E N

19.05.2000

Alternativen zum teuren Kardiologen? Jeden Tag ein Bier und den Gesundheitspolitikern verzeihen senkt das Herzinfarktrisiko

Mannheim/London/Neu-Isenburg/Gütersloh/Hamburg (MEDI-Report) - Die Einführung von Fallpauschalen bei der Patientenbehandlung könnte die Einnahmen der Krankenhäuser nach Befürchtungen des Kardiologen Günter Breithardt um 30 bis 40 Prozent sinken lassen. "Wir haben Angst, dass die Fallpauschalen nicht adäquat die Schwere der jeweiligen Erkrankung widerspiegeln", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am Donnerstag, den 27. April 2000, auf der Frühjahrstagung der DGK in Mannheim. Bei dem neuen System, das ab 2003 schrittweise eingeführt werde, solle pro Fall und Erkrankung nur noch eine bestimmte Pauschale gezahlt werden, sagte Breithardt. Schlimmstenfalls könne dies dazu führen, dass zu wenig Geld für die Patienten da sei.

Wer sich dann eine qualifizierte kardiologische Behandlung nicht leisten kann, könnte möglicherweise auf der Strecke bleiben - und auf natürliche Vorbeugung ausweichen: Jeden Tag ein Bier senkt einer britisch-tschechischen Studie zufolge das Herzinfarktrisiko. Der Effekt ist demnach am größten, wenn man jeden oder fast jeden Tag einen halben bis einen Liter Bier trinkt. Für die am heutigen Freitag in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" (Bd. 320, S. 1378) veröffentlichte Studie untersuchten Forscher des International Centre for Health and Society am University College in London tschechische Biertrinker, die schon einmal einen Herzinfarkt gehabt hatten.

Sie wurden mit einer Gruppe von gesunden Männern im Alter zwischen 25 bis 64 Jahren verglichen. Dabei zeigte sich den Angaben zufolge, dass diejenigen, die vier bis neun Liter Bier pro Woche tranken und dies verteilt über alle oder fast alle Tage der Woche, das geringste Infarktrisiko hatten.

Die Studie erbrachte aber auch Hinweise darauf, dass dieser positive Effekt verloren geht, wenn man mehr Bier trinkt. Der Leiter der Studie, Martin Bobak, glaubt, dass der Effekt auf den im Bier enthaltenen Alkohol (Ethanol) zurückgeht. Die Ergebnisse änderten sich nicht, wenn die Forscher Männer mit anderen Herzkrankheiten, Schlaganfällen, Diabetes oder Krebs ausschlossen.

Eine frühere Untersuchung in Bayern, wo etwa ebenso viel Bier getrunken werde wie in Tschechien, habe ähnliche Ergebnisse gezeigt. Mehrere Studien hatten zuvor bereits ergeben, dass Alkohol in Maßen Herz-Kreislaufkrankheiten vorbeugen kann. Vor allem dem Rotwein wird eine Schutzfunktion nachgesagt.

Auch ausgewogene Ernährung reduziert Risiko schwerer Krankheiten

Wer dem Alkohol nicht zusprechen mag, kann durch eine ausgewogene Ernährung das Risiko von Schlaganfällen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen um rund 30 Prozent verringern. Das berichtet die in Neu-Isenburg erscheinende "Ärzte Zeitung" am 15.05.2000 unter Berufung auf das nationale Gesundheitsinstitut der USA in Bethesda im Bundesstaat Maryland. Dort haben Forscher bei der erneuten Analyse einer Studie, für die zu Anfang der neunziger Jahre rund 42.000 an Brustkrebs erkrankte Frauen nach ihrer Ernährung befragt wurden, eine Verbindung von Essgewohnheiten und Sterberaten festgestellt.

So seien in den 5,6 Jahren seit der ersten Befragung 559 Frauen gestorben, deren Ernährung als weniger ausgewogen und gesund eingestuft worden war, so die Zeitung. Von den Frauen, die die größten Mengen an Vitamin C, Vitamin E, Folsäure, Provitamin A und faserreicher Kost zu sich nahmen, starben im gleichen Zeitraum dagegen lediglich 496 Frauen.

Aufklärungsaktion gegen Herzinfarkt und Schlaganfall gestartet

Eine der bislang größten Aufklärungsaktionen über die häufigen Todesursachen Herzinfarkt, Schlaganfall oder akute Durchblutungsstörungen ist am Mittwoch, den 10. Mai 2000, bundesweit gestartet worden. Mit mehr als 30 Millionen Fragebogentests will die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (Gütersloh) während der einjährigen Kampagne auf Gefahren und frühzeitige Warnzeichen aufmerksam machen. Der Schlaganfall ist nach Herzinfarkt und Krebs den Angaben zufolge die weltweit dritthäufigste Todesursache.

Allein in Deutschland erlitten jährlich etwa 350.000 Menschen einen Herzinfarkt, 250.000 einen Schlaganfall und 3,3 Millionen eine arterielle Verschlusskrankheit. "Alle drei Erkrankungen haben nahezu identische Risikofaktoren", sagte Stiftungs-Sprecher Norbert Osterwinter. Sie seien Ergebnis fortschreitender Verengung der arterieller Blutgefäße.

Nach Darstellung der Stiftung sendet etwa der Schlaganfall - ein "Gewitter im Gehirn" - häufig Warnzeichen aus. Dazu zählten ein plötzlicher Verlust der Sprechfähigkeit, Schwäche einer Körperseite, plötzliche Sehstörung - vor allem, wenn sie nur auf einem Auge auftritt - sowie heftige Kopfschmerzen, vorübergehende Doppelbilder oder Schwindel mit Gehunsicherheit. Die Stiftung rät, in solchen Fällen umgehend einen Arzt einzuschalten. "Haupt-Risikofaktor ist hoher Blutdruck", erläuterte Ostwinter. Dabei könne eine konsequente medikamentöse Behandlung das Erkrankungsrisiko um 40 Prozent senken. Entscheidend für die Überlebens- und Heilungsaussichten beim Schlaganfall seien die ersten vier bis sechs Stunden.

Mediziner warnen: "Nicht verzeihen" macht krank

Wer bei dem "rationierten" Gesundheitswesen trotz täglichem Bier, ausgewogener Ernährung und Bewegung auf der Strecke geblieben ist, sollte sich keinesfalls in Hass, Wut und Ärger ergehen. Denn diese negativen Gefühle machen nicht nur blind, sondern vor allem krank. Insbesondere Menschen, die nicht verzeihen können, erleiden nach einem Bericht der Zeitschrift "Vital" (Hamburg) schneller Herz-Kreislauf-Beschwerden, Depressionen, Asthma und Darmerkrankungen. "Schlechte Gefühle" lösten auch Allergien, Schlafstörungen und Herzrasen aus.

"Bei Herzpatienten wird der Ärger oft zu einem besonderen Problem", sagte der Internist und Psychotherapeut Christoph Herrmann von der Universität Göttingen unlängst auf Anfrage der dpa. Ärger könne das Herz zusätzlich belasten und im Extremfall einen Infarkt auslösen. Wut solle man zunächst als vorhanden annehmen und dann verarbeiten. "Es geht nicht darum, einen Rachefeldzug bis ans Ende des Lebens zu führen", sagte Herrmann. Eher solle man versuchen, den inneren Frieden zu finden.

"Auf dem Weg zum Ziel braucht es eine Auseinandersetzung mit der Ursache." Dabei könne man entweder den Konflikt lösen oder - falls das nicht gelinge - ihm weniger Macht in seinem Leben einräumen. Letztlich sei das kein Eingeständnis von Schwäche sondern das Wiedererlangen von Handlungsfähigkeit.

© 2000 dpa/gms/MEDI-Report: www.medi-report.de