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18.05.2000

Riesiger Rezeptbetrug: Arzt als mutmaßlicher Viagra-Dealer unter Verdacht

Wiesbaden/Frankfurt (dpa) - Einen illegalen Handel mit dem Potenzmittel Viagra im Millionenwert sollen ein Arzt und ein Apotheker aus Wiesbaden aufgezogen haben. Sie sollen Scheinrezepte abgerechnet haben, für deren Gegenwert der Apotheker dem Mediziner Viagra-Tabletten besorgt habe, berichtete die Wiesbadener Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Die Potenzpillen im Wert von 3,5 Millionen Mark seien möglicherweise in der Arztpraxis gehandelt worden. Die Ermittler prüfen derzeit Material, das bei den beiden Verdächtigen sicher gestellt wurde.

Der Fall wurde durch eine Strafanzeige der AOK Hessen aufgedeckt, die nach eigenen Angaben von betrügerischen Ärzten und Apothekern mit gefälschten Rezepten um Millionen betrogen worden ist. Neben dem Wiesbadener Verfahren seien Anzeigen bei den Staatsanwaltschaften in Darmstadt und Kassel gestellt worden, berichtete AOK-Sprecherin Ulrike Hadem. Die Verdächtigen sollen Rezepte gefälscht haben, damit sie größere Mengen und zusätzliche Medikamente abrechnen konnten. Meist handelte es sich dabei um teure Mittel gegen Krebs oder Aids.

Die hessische Apothekerkammer berichtete zudem von neun Fällen, in denen lukrative Rezepte aus bestimmten Arztpraxen immer wieder in den gleichen Apotheken vorgelegt und abgerechnet wurden. "Teilweise waren Praxis und Apotheke 150 Kilometer voneinander entfernt", sagte Kammergeschäftsführer Ulrich Laut in Frankfurt. Bei den Zuweisungen entstehe zwar kein unmittelbarer wirtschaftlicher Schaden. Mit der Konzentration besonders lukrativer Rezepte auf einige wenige Apotheken drohe aber den anderen der wirtschaftliche Ruin. In einem Fall habe ein Apotheker allein mit den mutmaßlich erschlichenen Rezepten der AOK einen Jahresumsatz von zwei Millionen Mark gemacht. Die Zuweisungen werden als Ordnungswidrigkeit verfolgt.

Apotheker hätten der Kammer zudem von Patienten berichtet, die an ihren teuren Medikamenten illegal etwas verdienen wollen und für die Einlösung ihrer Medikamente Provisionen verlangten, berichtete Laut. Kranke böten auch an, auf einen Teil ihrer Medikamente zu verzichten und sich den illegalen "Erlös" mit dem Apotheker zu teilen. Gleichgelagerte Fälle waren zuerst von der AOK Niedersachsen entdeckt worden.

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