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18.05.2000

Erster Ansatz zur Behandlung des Rinderwahnsinns - Frankreich könnte wegen BSE Innereien von Rindern verbieten

Washington/Paris (MEDI-Report) - Einen Ansatz zur Behandlung von Prionenstörungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD), dem Rinderwahnsinn oder Scrapie hat ein internationales Forscherteam gefunden. Im Fachjournal "Science" (Bd. 288, S. 1257) vom Freitag stellt das Team die Quelle von Prionen vor, jenen Eiweißstoffen, deren krankhaft veränderte Form diese Gehirnkrankheiten auslöst.

Ihrer Erkenntnis nach werden Prionen von bestimmten Immunzellen (follikularen dendritischen Zellen/FDC) in der Milz produziert. In Tierversuchen gelang es den Wissenschaftlern, die Prionenansammlung über das Signalmolekül Lymphotoxin zu drosseln. Sie deaktivierten es bei Mäusen, die sie zuvor mit Scrapie infiziert hatten. Resultat: die Zahl der reifen FDC-Immunzellen in der Milz ging zurück, und die Ausschüttung von Prionen reduzierte sich erheblich.

Aus diesem Ergebnis schließt das Team, dass eine frühe Diagnose und langfristige Behandlung über Lymphotoxin den Verlauf der tödlichen CJD erheblich bremsen könnte. Die Studien wurden unter der Federführung des Schweizers Fabio Montrasio vom Institut für Neuropathologien der Universität Zürich durchgeführt. Beteiligt waren auch Wissenschaftler der Firma Biogen in Cambridge (US-Staat Massachusetts) und des Imperial College of Medicine von St. Mary's in London.

In Frankreich könnten Rinderinnereien bald verboten werden. Um das Risiko von Rinderwahnsinn (BSE) weiter zu verringern, hat die staatliche Lebensmittelagentur der Regierung empfohlen, Verarbeitung und Verzehr sämtlicher innerer Organe von Rindern und Produkte daraus zu verbieten, teilte die Agentur am Donnerstag in Paris mit.

Sollte die Regierung der Empfehlung folgen, bedeutete dies das Aus für eine Reihe landestypischer Produkte, etwa die aus Innereien bestehende Wurst Andouille sowie die einfache Kochwurst. Vom Speiseplan gestrichen werden müssten auch die berühmten Hartsalamis und Cervelatwürste, die traditionell in Rinderdärmen angeboten werden.

Frankreich gehört zu den europäischen Ländern, in denen die strengsten Auflagen zur Vermeidung der BSE-Krankheit gelten. So ist Frankreich auch das einzige Land in Europa, das entgegen der Vorschriften der Europäischen Union den Import von britischem Rindfleisch weiterhin verbietet.

© 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de