N A C H R I C H T E N 18.05.2000 Als Kassenpatient im Krankenhaus: Lohnt sich eine Zusatzversicherung?Berlin ( Inga Rohweder) - Niemand geht gern als Patient ins Krankenhaus - die Geburt eines Babys bestätigt als Ausnahme wohl nur die Regel. Wenn aber doch eine stationäre Behandlung nötig ist, haben Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen meist nur Anspruch auf "Regelleistungen". Das bedeutet fast immer die Unterbringung im Mehrbettzimmer in der Standard-Pflegeklasse in einer der beiden nächst gelegenen Kliniken sowie die Behandlung durch den jeweils Dienst habenden Arzt. Wer mehr Service und Komfort möchte und etwa Arzt und Krankenhaus frei wählen sowie im Einzelzimmer liegen will, kann sich zwar privat zusätzlich versichern. Ob sich die Police lohnt, hängt aber vom Einzelfall ab.Denn oft gibt es Zusatzleistungen auch für Menschen, die gar nicht zusätzlich versichert sind: "Falls medizinisch notwendig, werden auch Kassenpatienten in Spezialkliniken und im Einbettzimmer untergebracht und durch Spezialisten oder den Chefarzt behandelt", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Private Krankenhauszusatzversicherungen sind "nicht gerade billig und in gewisser Weise eine Luxusversicherung", sagt Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Ihr Abschluss sollte "erst in Erwägung gezogen werden, wenn alle anderen wichtigen Versicherungen wie eine Haftpflicht-, Hausrat- und Berufsunfähigkeitsversicherung in ausreichender Höhe abgeschlossen wurden und noch Geld übrig ist." Dass es nicht leicht ist, eine in jeder Hinsicht günstige Police zu finden, bestätigt Susanne Meunier, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest in Berlin. Die Beitragshöhe, die sich nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand des Antragstellers richtet, liefere zwar einen Anhaltspunkt. Über die Qualität der Police sage sie aber nicht viel aus. Für ein und dieselbe Summe bekomme man Verträge mit einem umfassenden oder auch nur einem bescheidenen Leistungskatalog. Daher sollten Verbraucher zunächst ausloten, welche Leistungen ihnen persönlich wichtig sind. Wer bereit sei, für mehr Komfort und Flexibilität im Krankheitsfall einige hundert Mark im Jahr auszugeben, sollte ein leistungsstarkes Angebot wählen. Im Schnitt zahlen gesunde, 30-jährige Männer bei einem günstigen Anbieter einen Monatsbeitrag ab 40 Mark für die Zusatzversicherung. Mit 40 Jahren sind es 55 Mark monatlich. Gleichaltrige Frauen zahlen wegen der höheren Lebenserwartung mit 30 Jahren ab 60 Mark monatlich. Mit 40 Jahren müssen sie ab 70 Mark pro Monat aufwenden. Der BdV rät, die Angebote möglichst vieler Anbieter gleichzeitig einzuholen, bevor man sich für eine Gesellschaft entscheidet. Im Anschreiben sollten Angaben zum Geburtsdatum, Geschlecht und Beruf gemacht werden und nach der letzten beziehungsweise nach einer eventuell bevorstehenden Beitragserhöhung gefragt werden. Vor dem Vertragsabschluss müssen Interessenten Fragen zu ihrem Gesundheitszustand wahrheitsgemäß beantworten. Wer nicht kerngesund ist, muss mit Risikozuschlägen rechnen. Chronisch Kranke oder Antragsteller mit schweren Vorerkrankungen wie einem Herzinfarkt oder Bandscheibenschäden werden oft sogar von vornherein abgelehnt. "Interessenten sollten sich niemals vom Versicherungsvertreter, der seine Abschlussprovision im Auge hat, dazu verleiten lassen, irgendwelche Vorerkrankungen nicht anzugeben. Mit der Unterschrift unter den Antrag werden alle Ärzte und Institutionen für die Vergangenheit und Zukunft von ihrer Schweigepflicht entbunden", warnt BdV-Sprecher Rudnik. Die Krankengeschichte eines Versicherten könne theoretisch bis zur Geburt zurückverfolgt werden. "Falschangaben oder das Verschweigen von Vorerkrankungen nützen also nichts." Wer hier Fehler mache, erhalte keine Leistungen, könne den Vertrag gekündigt bekommen "und hat dann alle bereits gezahlten Beiträge verloren". Bei den Zusatzversicherungen werde zwischen den so genannten Wahlleistungs- und den Restkostentarifen unterschieden, erklärt Helge Kühl, Versicherungsberater aus Neudorf (Schleswig-Holstein). Der Restkostentarif sei zwar teurer, doch dafür "werden vom Versicherer auch diejenigen Mehrkosten übernommen, die entstehen können, wenn der Versicherte in einer weiter entfernten Spezialklinik behandelt wird. Liegt der Pflegesatz etwa im nächst gelegenen Krankenhaus bei 300 Mark, in der Spezialklinik aber bei 800 Mark pro Tag, wird beim Restkostentarif die Differenz erstattet." Beim Wahlleistungstarif dagegen bleibe der Versicherte auf diesen Kosten sitzen. "Deshalb warnen wir vor einem Abschluss dieses Tarifs", so Kühl. Informationen: Der Ratgeber "Private Krankenzusatzversicherungen" mit einer Liste der günstigsten Anbieter kann gegen Einsendung von drei Mark in Briefmarken angefordert werden bei: Bund der Versicherten, 22052 Hamburg (Stichwort: Krankenzusatzversicherung). © 2000 gms/MEDI-Report: www.medi-report.de |