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16.05.2000

Öko-Test widerspricht Greenpeace im TBT-Windelstreit - Kinderärzteverband empfiehlt unbelastete Windeln

Frankfurt/Main (dpa) - Im Streit um TBT-belastete Kinderwindeln hat das Umweltmagazin "Öko-Test" den Einschätzungen von Greenpeace und Kinderärzten zur Gefährdung der Babys widersprochen. Die Warnungen von Greenpeace seien auf Grund der geringen TBT- Konzentration nicht nachvollziehbar, teilte das Magazin am Dienstag in Frankfurt mit. Auch das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz sieht keine Gefahr durch die TBT-Mengen in Windeln. Der Berufsverband der Kinderärzte Deutschlands rät Eltern dagegen, zunächst auf eine andere Windelmarke zu wechseln.

Akute Vergiftungen seien bisher zwar nicht bekannt geworden, sagte die Sprecherin des Ärzte-Verbandes, Gunhild Kilian-Kornell, am Dienstag in einem Interview des Saarländischen Rundfunks. Da die Haut im Windelbereich immer etwas feucht, und es dort etwas wärmer sei, könnten Schadstoffe in den Körper des Kindes gelangen. Die Folge seien "Hautreizungen bis hin zu Allergien, aber durchaus auch neurologische Erscheinungen", wie zum Beispiel Unruhe. Laut Greenpeace findet sich TBT in Windeln namens "Pampers Baby Dry", "Fixies Ultra Dry" und "United Colors of Benetton Junior unisex".

Nach Auskunft von "Öko-Test" entsprechen die Mengen, die in Windelbündchen von "Pampers Baby Dry" gefunden wurden, in etwa denen in Fischen nachgewiesen Werten. Bei den Windeln müsse das TBT aber erst einmal aus dem Kunststoff herausgelöst werden, auf die Haut kommen und von dort in den Körper gelangen. Es seien daher wesentlich geringere Belastungen als beim Fischverzehr zu erwarten. Eine "Öko-Test"-Studie hatte bis zu 27 Mikrogramm TBT pro Kilogramm Filet gemessen. Gleichwohl fordert auch "Öko-Test" die Hersteller auf, zinnorganische Verbindungen in Windeln zu vermeiden.

Für Umwelt und Gesundheit wesentlich bedrohlicher ist laut "Öko- Test" die TBT-Belastung von PVC-Böden mit ihren rund tausendfach höheren Belastungen. Mit dem Abrieb könnten die Verbindungen in die Atemluft gelangen.

Unterdessen wurde bekannt, dass der TBT-Abkömmling TBTB (Tributylzinnbenzoat) auch in einem Prophylaxe-Mittel gegen Fußpilz enthalten ist. "Incidin M Spray Extra" könne zur Vorbeugung auf Füße, Strümpfe und in Schuhe gesprüht werden, sagte Ulrich Hagemann vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (Berlin). "Wir sehen aber keine hochdramatischen Risiken für den Patienten." Da es jedoch Alternativen gebe, werde das Amt mit dem Hersteller über einen Produktionsstopp diskutieren.

Nach Auskunft des Herstellers Henkel-Ecolab in Düsseldorf liegen die möglicherweise aufgenommen Mengen weit unter den vom Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz als tolerabel eingestuften Konzentrationen. Weitere derzeit noch vertriebene Incidin-Produkte enthalten Henkel-Ecolab zufolge kein TBT.

Das Bundesamt geht davon aus, dass ein Mensch pro Kilogramm Körpergewicht jeden Tag 0,25 Mikrogramm der TBT-Abkömmlinge Tributylzinnoxid oder Tributylzinnchlorid aufnehmen darf, ohne langfristig Schaden zu nehmen. Dies gilt allerdings für Speisen.

Vor dem Werk des Pampers-Herstellers Procter & Gamble haben am Dienstag rund 20 Greenpeace-Anhänger gegen das TBT-Vorkommen in Windeln protestiert. In einem Gespräch mit einem Firmenvertreter verlangte der Greenpeace-Chemieexperte Thilo Maack, dass das Unternehmen die Quelle der Substanz innerhalb von zehn Tagen findet und die Ursache beseitigt. Procter & Gamble hatte bereits am Montag Greenpeace-Analysen zurückgewiesen, nach denen in der Windel "Pampers Baby Dry" das Hormongift Tributylzinn (TBT) und verwandte Organozinn-Verbindungen gefunden worden seien.

© 2000 dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de

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