N A C H R I C H T E N 16.05.2000 Ärzte fordern Schallpegel-Begrenzung für Walkmen und Discotheken: "Lärmbedingter Schaden ist nicht heilbar"Berlin/Marburg (dpa/gms) - Ärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde haben am Dienstag in Berlin eine Begrenzung des Schallpegels für Walkmen, Discotheken und Konzerten gefordert. "In Deutschland hat jeder vierte junge Mann einen Hörschaden", stellte Hans-Michael Strahl, Vorsitzender der HNO-Ärzte in Nordrhein, auf dem 4. Europäischen Kongress für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Berlin fest. "Bereits jetzt haben 14 Millionen Menschen ein schlechtes Gehör."Konkret sprachen sich die Ärzte für eine Obergrenze des Dauerschallpegels von 95 Dezibel bei Konzerten und von 90 Dezibel bei Walkmen aus. In Messungen vor Ort seien teilweise bis 120 Dezibel gemessen worden, was dem Probelauf von Düsenflugzeugen entspreche. Dieser Entwicklung wollen die Fachärzte nicht tatenlos zusehen. Eine bundesweite Aktion unter dem Motto "Take care of your ear" soll Kinder und Jugendliche für ihr Gehör sensibilisieren. In Frankreich und der Schweiz existierten bereits Begrenzungen zum Schutz vor Gehörschäden. "Ein lärmbedingter Schaden ist nicht heilbar", warnte Strahl. Experten: Es gibt keine "Wunderpille" gegen Hörprobleme Mit Medikamenten ist Hörproblemen wie der altersbedingten Schwerhörigkeit nicht beizukommen. Darauf weist die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) in Marburg hin. Auf dem Markt würden zwar Mittel angeboten, die bei Alters-Schwerhörigkeit helfen sollen. Bei diesen Präparaten gebe es jedoch keine nachweisbare Wirkung gegen die Hörprobleme, so die FGH. Die Organisation beruft sich dabei auf Peter Plath, emeritierter Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an der Ruhr-Universität Bochum, sowie auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Altersbedingte Schwerhörigkeit sei nach wissenschaftlichen Kriterien nicht reparabel, so die FGH, die nach eigenen Angaben oft Anfragen aus der Bevölkerung zur Wirksamkeit von Mitteln erhält, für die in verschiedenen Medien geworben wird. Die Fördergemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Hörgeräteakustikern. © 2000 dpa/gms/MEDI-Report: www.medi-report.de Weitere Informationen zum Thema: "Tag für die Ruhe": Bundesumweltministerium ruft zu Anstrengungen gegen Lärm auf - 12.04.2000 |