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03.05.2000

Mundgeruch - an schlechtem Atem ist nicht immer Knoblauch schuld

Bonn (Sven Appel) - Es gibt etwas, dass Mitmenschen sicher auf Distanz hält: Mundgeruch können die wenigsten ertragen. Viele Betroffene wissen nichts von ihrem Problem und wundern sich, wenn ihnen niemand zu nahe kommen möchte. Dabei ist Mundgeruch, wenn er erst einmal erkannt worden ist, in den meisten Fällen leicht zu beseitigen. Bei drei Vierteln aller Betroffenen sei der schlechte Atem eine Folge von mangelnder Mundhygiene, heißt es bei der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in Köln.

Es gibt einen Trick, ohne fremde Hilfe festzustellen, ob es aus dem Hals unangenehm riecht. "Man fährt mit der Zunge ein paar Mal über das Handgelenk, lässt den Speichel eine halbe Minute lang trocknen und riecht dann daran", erläutert dem Zahnmediziner Benno Raddatz aus Durmersheim (Baden-Württemberg). Das gleiche lasse sich mit einem Stäbchen zum Ohrensäubern durchführen.

Ursache für den Mundgeruch, der medizinisch auch Halitosis oder Oral Malodour genannt wird, sind der Zahnärztekammer zufolge Fäulnisbakterien, die im Mund und Rachenraum Eiweiß zersetzen und abgestorbene Schleimhautzellen beseitigen. Dabei werden Schwefelverbindungen freigesetzt - sie ergeben den üblen Geruch. Insgesamt leben rund 300 Bakterienarten im Mund des Menschen. Bei gesunden Personen ist die Zersetzungstätigkeit der Bakterien so gering, dass kein wahrnehmbarer Geruch entsteht.

Bei mangelnder Mundhygiene finden die Bakterien jedoch ein Überangebot an Nahrung und damit gute Lebensbedingungen. Dadurch vermehren sie sich explosionsartig und sorgen entsprechend für heftige Halitosis. Dieser Prozess wird vor allem durch eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Milch oder Fisch begünstigt.

Wer schlechtem Atem vorbeugen möchte, kommt um eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene nicht herum: "Auf den Einsatz von Zahnseide sollte dabei nicht verzichtet werden", rät Benno Raddatz. Es reicht jedoch, die Zahnzwischenräume alle zwei Tage gründlich zu bearbeiten. Die Zähne sollten jedoch täglich mindestens zweimal geputzt werden. "Dabei kann auch die Zunge geschrubbt werden. Allerdings sollte dazu eine Extra-Zahnbürste verwendet werden", sagt Raddatz.

Durch das Putzen der Zunge wird Belag entfernt, der sonst die Zähne angreifen könnte. Anfangs führe das Hantieren auf der Zunge bei Empfindlichen schon mal zu Brechreiz. Das verschwinde aber, sobald man sich an die Säuberung gewöhnt habe, so Raddatz. Für die Reinigung der Zunge gibt es darüber hinaus so genannte Schabeeisen und ähnliche Hilfsmittel, mit denen der Belag entfernt wird.

Als weitere Möglichkeit, Mundgeruch vorzubeugen, empfiehlt Claudia Spiegel, Sprecherin des Informationskreises Mundhygiene und Ernährungsverhalten (IME) in Bonn, die Verwendung von Mundwassern. Wenn jedoch schon Mundgeruch vorhanden ist, wirken solche Mittel nur gegen das Symptom, also den Geruch selbst. Um die eigentliche Ursache zu bekämpfen, reicht die normale Zahn- und Mundhygiene dann oft nicht mehr aus. "Dann muss die Ursache bekämpft werden", sagt Spiegel.

Solche Ursachen könnten laut Raddatz zum Beispiel Kronenränder sein. Diese müssten dann vom Zahnarzt entfernt werden, da sich hier sonst immer wieder Rückstände sammeln. Die gleichen Probleme könnten raue Oberflächen von Zahnfüllungen machen - sie sollten entsprechend geglättet werde. Auch die Reinigung der Zahnfleischtaschen könne eine wirksame Prozedur gegen Mundgeruch sein.

Schwieriger gestaltet sich die Bekämpfung des Mundgeruchs, wenn die Ursache nicht im Mund oder Rachenraum liegt. "Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit Nierenproblemen oder mit Erkrankungen der ableitenden Harnwege", sagt Claudia Spiegel. Außerdem können Erkrankungen der oberen Atemwege zu "Oral Malodour" führen.

Eine besondere Form des Mundgeruchs wird Smokers-Breath, Raucher-Atem, genannt. Zwar versuchen manche Menschen ihren Mundgeruch durchs Rauchen zu überdecken, jedoch entwickelt Tabakrauch einen speziellen Mundgeruch. Er entsteht vor allem durch das Ausatmen von Tabakbestandteilen, die sich auf der Schleimhaut der oberen Atemwege abgelagert haben.

Wer ganz sicher wissen will, ob es bei ihm aus dem Mund unangenehm riecht, sollte eine Person des Vertrauens um eine ehrliche Antwort bitten. "Leider kann man nicht davon ausgehen, dass Zahnärzte ihre Patienten bei einer Routine-Untersuchung auf das Problem aufmerksam machen", heißt bei der Bundeszahnärztekammer.

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