N A C H R I C H T E N

29.04.2000

Naturheilkunde kann Milliarden einsparen - "Ein angehender Arzt erfährt bisher an der Uni kein Wort über Ernährungskunde"

Nürnberg (dpa) - Die Anwendung von naturheilkundlichen Präparaten und Therapien könnte nach Ansicht von Medizinern im deutschen Gesundheitswesen Milliarden einsparen. "Die Naturheilkunde könnte Gewaltiges leisten, aber sie ist bei Medizinern und Krankenkassen zu wenig bekannt", sagte der Präsident des Deutschen Naturheilbundes, Rainer Matejka, am Rande der "Gesundheitsmesse 2000" (28.-30.4.) in Nürnberg in einem dpa-Gespräch.

"Die Vorbehalte sind groß, viele Mediziner denken bei Naturheilkunde gleich an fernöstlichen Klimbim." So griffen Schulmediziner zu rasch auf komplizierte Operationen und Medikamente mit starken Nebenwirkungen zurück. "In Deutschland werden mehr Links-Herzkatheter eingepflanzt als in jedem anderen europäischen Land - und häufig sind sie nicht notwendig", sagte der Allgemeinarzt und Naturheilkundler. "Die Ärzte weiten ihre Leistungen aus, um ihren Gewinn zu maximieren."

Dabei könnten etwa leichte Herzschwächen mit pflanzlichen Präparaten wie Weißdorn geheilt werden. Naturheilkunde-Verfahren könnten präventiv Krankheiten verhindern und Langzeiterkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Migräne oder anderen Schmerzerkrankungen lindern.

Matejka fordert, die Gesundheitswissenschaft zu einem Bestandteil des Medizinstudiums zu machen. "Ein angehender Arzt erfährt bisher an der Uni kein Wort über Ernährungskunde oder medizinische Massage." In der Praxis scheitere die Naturheilkunde häufig am Zeitaufwand. "In einer normalen Arztpraxis mit ihrer 90 Sekunden-Medizin bleibt keine Zeit für eine aufwendige Akupunktur von einer halben Stunde."

Zugleich müssten die Krankenkassen den Patienten finanzielle Anreize geben, um gesundheitsbewusster zu leben. Matejka schlägt eine Selbstbeteiligung der Versicherten an allen Kassen-Leistungen von rund zehn Prozent vor. "Dann würden mehr Menschen joggen, anstatt zum Arzt zu gehen und Tabletten gegen Bluthochdruck zu schlucken."

In Deutschland gibt es heute rund 10.000 Naturheilkundler, Tendenz steigend. Die Naturheilkunde setzt auf pflanzliche Mittel, die Kneippsche Wassertherapie, Bewegungs- und Ernährungs-Therapien sowie Akupunktur. Der Deutsche Naturheilbund hat rund 20.000 Mitglieder in Deutschland, darunter Mediziner und Laien.

© dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de